Presseberichte

Altes Amt bildet ´Gesundheits-Region´

Bürgermeister der vier Kommunen starten gemeinsame Initiative und holen externe Expertin mit ins Boot
Einem „Kirchturmdenken“ bei den Bemühungen, die medizinische Versorgung im Alten Amt Löningen zu verbessern, haben die vier Bürgermeister mit ihrer „GRAAL-Initiative“ eine Absage erteilt.

von Willi Siemer


Erste konkrete Projekte werden 2019 auf den Weg gebracht

Südkreis/Lindern - Die ersten konkreten Schritte ihrer im Spätsommer gegründeten Initiative „Gesundheitsregion Altes Amt Löningen“ haben die vier Bürgermeister am Donnerstagabend im Linderner Rathaus vorgestellt.

Neben dem engen Austausch der vier Verwaltungschefs in zentralen Fragen der Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region, ist mit Christine Becker aus Bad König eine Beraterin verpflichtet worden, die Expertin für wohnortnahe innovative medizinische Versorgung, für die Personalentwicklung für Ärzte und den Einsatz digitaler Technologien ist.

Sie deutete auf der Pressekonferenz an, dass sie bereits Konzepte vorbereitet habe, diese zum jetzigen Zeitpunkt auf Wunsch der Bürgermeister aber noch nicht öffentlich vorgestellt werden sollen. Angekündigt wurde, dass im kommenden Jahr konkrete Projekte auf den Weg gebracht werden sollen.

Zentraler Bestandteil der Arbeit und Initiative ist nach Aussage von Karsten Hage die enge Kooperation mit dem Löninger Krankenhaus als zentralem Partner, der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) und der für den Nachwuchsbereich Verantwortlichen der Abteilung für Allgemeinmedizin der Uni Oldenburg. Die Initiative verstehe sich als Teil der größeren Gesundheitsregion Kreis Cloppenburg, so Hage.

Die Botschaft dieser Initiative sei, dass Verbesserungen der medizinische Versorgung der Bevölkerung als ein zentraler Teil der Gesundheitsversorgung eine der wichtigsten Aufgaben sei, in die alle Akteure mit einbezogen werden müssen.

Da die Probleme nicht an Verwaltungsgrenzen Halt machten und die Aufgaben nicht allein gelöst werden könnten, seien alle froh und dankbar, im Südkreis Partner gefunden zu haben, um gemeinsame Initiativen zu starten und Gespräche zu führen.„Kirchturmdenken bringt uns nicht weiter“, so Essens Bürgermeister Heiner Kressmann.

Dieses gemeinsame Projekt sei ein Gewinn, betonte Marcus Willen. Auch wenn dieser Bereich eigentlich gar nicht zu den Aufgaben der Bürgermeister gehöre, habe er sich zu einem zentralen Aufgabengebiet entwickelt mit einer großen Erwartungshaltung der Menschen, die nicht nach Zuständigkeiten fragten, so Willen.

Als eine der vielen Handlungsfelder sehen die Bürgermeister die Kommunikation mit den angehenden Medizinern an. Hage verwies auf bereits geführte Gespräche mit Medizinstudenten im Rahmen eines Forums an der Uni Oldenburg.

Dabei habe sich gezeigt, wie wenig Wissen über das Oldenburger Münsterland vorhanden sei. Die Region habe viel für junge Ärzte und ihre Bedürfnisse zu bieten, betonte Michael Kramer. Der gut ausgebaute Krippen- und Kita-Bereich, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, hoch qualifizierte Arbeitsplätze für die Partner bzw. Partnerinnen und im Vergleich zu anderen Regionen günstige Grundstücks- und Immobilienpreise, seien Pfunde, die in die Waagschale geworfen d.h. vermittelt werden sollten, so Kramer.

Mit von der Partie war auch der frühere Minister Lutz Stratmannaus Oldenburg, der für das Beratungsunternehmen „Demografieagentur für die Wirtschaft“ mit Sitz in Hannover arbeitet.


zum Bild:
Stellten in Lindern „GRAAL“ vor: Konkrete Strategien und Schritte zum Verbessern der ambulanten ärztlichen Versorgung in der jetzt gegründeten „Gesundheits-Region Altes Amt Löningen“ (GRAAL) planen (von links) Lastrups Bürgermeister Michael Kramer, Essens Bürgermeister Heiner Kressmann, Christine Becker als Expertin und Beraterin, Löningens Bürgermeister Marcus Willen, Linderns Bürgermeister Karsten Hage als Sprecher und Berater Lutz Stratmann von der „Demografieagentur für die Wirtschaft“. Foto: Willi Siemer.


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Meine Meinung:


von Willi Siemer


Wichtige Initiative


Auch wenn konkrete Schritte, geschweige denn Ergebnisse noch Fehlanzeige sind, ist die Gründung der „Gesundheits-Region Altes Amt Löningen“ eine wichtige und richtige Initiative. Gespannt sein darf man auf die Lösungsansätze der verpflichteten externen Beraterin. Auch wenn sie formell nicht zuständig sind, ist das Thema der grundlegenden Verbesserung der medizinischen Versorgung in den vier Kommunen ein Thema, was die Menschen heftig umtreibt und vor allem eins, das bei den Chefs der Verwaltungen am besten aufgehoben ist. Die mit der sinkenden Medizinerzahl und dem zunehmenden Alter wachsenden Probleme beschäftigen die Bürgermeister schon seit etlichen Monaten. Alle vier haben sich mittlerweile durch viele Gespräche mit allen Beteiligten umfassend in die Materie eingearbeitet und Lösungsansätze entwickelt, die sie aber nicht allein umsetzen können. Daher ist die gemeinsame Arbeit der sich vertrauenden vier Bürgermeister und auch der erklärte Wille, das Löninger Krankenhaus zu nutzen und zu stärken, ein wichtiger Ansatz. Sie werden aber schon bald Akteure wie einige Ärzte benennen müssen, die sich den Lösungswegen verweigern. Auf Unabhängigkeit und überkommene Standesrechte aus Zeiten zu pochen, in denen das System noch funktionierte, kann und darf die Gesellschaft angesichts der Probleme nicht mehr akzeptieren.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 10.11.2018