Presseberichte

Klärschlamm-Trocknung mit Fernwärme

Kosten der Entsorgung haben sich verdreifacht / Stadt hofft auf Reduzierung der Menge um bis zu 90 Prozent
Die im Sommerhalbjahr überschüssige Wärme aus der Löninger Fernwärme will die Stadt ab 2020 nutzen, um das Volumen des anfallenden Klärschlamms durch Trocknung drastisch zu reduzieren.

Neue Schneckenpresse erster Schritt zur Mengen-Reduzierung

von Willi Siemer


Löningen - Nur noch eines der bisher geplanten zwei wegweisenden Projekte zur weiteren Modernisierung und zum Ausbau der kommunalen Kläranlage wird die Stadt nach dem derzeitigen Verhandlungsstand in den kommenden Jahren verwirklichen.

Die bereits weit fortgeschrittenen Planungen für den Bau eines Faulbehälters mit Blockheizkraftwerk und einer Vorklärung mit rund 4,55 Millionen Euro Kosten sind vorerst auf Eis gelegt worden (MT berichtete). Dieses Projekt hänge von Vereinbarungen mit privaten Partnern ab, die der Stadt ihre energiereichen Schlämme zur Verfügung stellten müssten, damit der als Biogasanlage funktionierende Faulbehälter Strom und Wärme produziere, erläuterte Marcus Willen in der jüngsten Ausschuss-Sitzung für Wirtschaft, Bau und Verkehr.

Mit einem solchen System ließen sich rund 250 000 Euro jährliche Energiekosten einsparen, da weder Strom noch Wärme eingekauft werden muss.

Der zweite Baustein, das Reduzieren der Klärschlamm-Menge zunächst durch eine Entwässerung und in einem zweiten Schritt durch die Trocknung, wird aber unabhängig von den anderen Planungen nach den jüngsten entsprechenden einstimmigen Empfehlungen im Ausschuss weiter vorangetrieben. Dafür sind bzw. werden insgesamt etwa 1,8 Millionen Euro aus Haushaltsmitteln bis 2020 zur Verfügung gestellt.

2019 wird in einem ersten Schritt eine neue sogenannte Schneckenpresse die 20 Jahre alte defekte Zentrifuge ersetzen. „Sie ist ungleich weniger störanfällig, da sie nur mit einer statt bisher tausenden Umdrehungen pro Minute läuft und sie benötigt weniger Energie“, erläutert Ralf Bohmann, der Kläranlagen-Leiter im MT-Gespräch.

Die möglichst große Reduzierung des Klärschlamm-Volumens müsse ein zentrales Ziel sein, da sich die Entsorgungskosten inzwischen durch die neue Klärschlamm-Verordnung fast verdreifacht hätten, betonte Bürgermeister Marcus Willen.

Konnte der geklärte Schlamm bisher auf die Felder ausgebracht werden, so ist das nicht mehr möglich, er muss aufwendig entsorgt und verbrannt werden. Bisher fallen in Löningen rund 19000 Kubikmeter im Jahr an, die zig Kilometer transportiert werden müssen. Welche Dimensionen die Entwässerung und dann die Trocknung bei den Kosten haben, zeigt ein Blick auf die geplante Reduktion. Die Entwässerung lässt das Volumen auf 90 Prozent schrumpfen, die Trocknung reduziert die Menge auf nur noch zehn Prozent. Das bedeutet, dass schon ab 2020 der Transport von 18000 Kubikmetern Wasser mit allen damit verbundenen Kosten entfällt.

Die Trocknung ist eine bisher nur in Löningen mögliche Lösung, denn die Stadt verfügt als einzigeKommune in der Region über ein von Biogasanlagen gespeistes Fernwärmenetz, an die die Kläranlage mit einer Leitung angeschlossen wird. Getrocknet wird im Sommerhalbjahr, wenn die überschüssige Wärme nicht zum Heizen der öffentlichen und privaten Gebäude benötigt wird. Zur Zwischenlagerung stehen zwei jeweils 2500 Kubikmeter fassenden Stapelbehälter auf der Kläranlage zur Verfügung.

Gleichzeitig ist ein Büro beauftragt, ein neues System für die Abwassergebühren zu erarbeiten. Bisher zahlen die Löninger mit 1,64 Euro pro Kubikmeter Frischwasser eine der niedrigsten Sätze der Region.


zum oberen Bild:
Wird in den kommenden Jahren weiter modernisiert: Die für 76000 Einwohnergleichwerte ausgelegte Löninger Kläranlage erhält 2020 oder 2021 eine Trocknungsanlage, die das Volumen des zu entsorgenden Klärschlamms um rund 90 Prozent reduziert. Foto: Willi Siemer.

zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 20.11.2018. Foto: Willi Siemer.

zum dritten Bild:
Grundlage für Trocknung: In den beiden Stapelbehältern mit jeweils 2500 Kubikmetern Vermögen kann der Klärschlamm bis zur Trocknung im Sommerhalbjahr zwischengelagert werden. Foto: Willi Siemer.

zum vierten Bild:
Wird im kommenden Jahr ersetzt: Statt der über 20 Jahre alten und defekten Zentrifuge wird eine Schneckenpresse installiert, die den Wassergehalt des Klärschlamms um rund zehn Prozent reduziert. Foto: Willi Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 20.11.2018