Presseberichte

Angst ist bislang ständige Begleiterin

Stadt Löningen plant sichere Übergänge entlang der Lindenallee / Behindertenbeauftragter zeigt sich zufrieden
Bislang ist die Lindenallee für Rollstuhlfahrer und langsam gehende Menschen ein gefährliches Pflaster. Das soll sich bis Ende des Jahres grundlegend ändern.
Pläne sehen drei Querungen der Lindenallee vor.

von Georg Meyer und Willi Siemer


Wie es zu dem Unfall gekommen war, daran kann sich Birgit Hölzen nicht mehr erinnern. Irgendetwas müsse ihr Dreirad beim Überqueren der Lindenalle aus dem Gleichgewicht gebracht haben, vermutet die Schwerbehinderte. Plötzlich lag sie hilflos auf der Fahrbahn.

Ein paar Monate ist das jetzt her. Birgit Hölzen weiß noch, dass es einen „Riesentumult“ gab. Autofahrer hielten an, eine Gruppe Asylanten eilte ihr zu Hilfe. Am Ende standen die Diagnose Beckenbruch und ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt. Für die 60-Jährige war es nicht der erste schwere Unfall. Vor drei Jahrzehnten raubte ihr ein Auto die Gesundheit. Seitdem ist die Angst Hölzens ständige Begleiterin. An der Lindenallee drückt sie besonders aufs Gemüt, denn um zum Einkaufszentrum zu gelangen, muss Birgit Hölzen, die an einer Querstraße wohnt, irgendwie hinübergelangen. Einmal ging das gründlich schief und das habe auch daran gelegen, dass es in diesem Bereich weder eine Ampel noch einen Zebrastreifen gebe, kritisiert sie.

„Es besteht Handlungsbedarf“, sagt die Löningerin. Nicht nur ihretwegen, sondern auch, damit andere körperlich eingeschränkte Menschen, Senioren etwa, aber auch Kinder ohne Stress über die Straße kommen. „Eigentlich gehört sich das auch so. In anderen Städten sind Querungshilfen vor Einkaufszentren ganz normal. Nur wir in Löningen machen da eine Ausnahme.“

Allerdings nicht mehr lange, denn im Zuge der bevorstehenden Sanierung der Lindenallee soll sich die Situation dort grundlegend verbessern, wie Bürgermeister Marcus Willen gegenüber der MT erläuterte. So sehen die Planungen zwei behindertengerechte Übergänge im Bereich der Post-Straße und eine neue Querung in unmittelbarer Nähe der Lagestraße vor. Vor allem aber trage der neue Geh- und Radweg auf ganzer Länge auf der Feuerwehrseite bis zur Lage Straße zu deutlich mehr Sicherheit bei, betont Willen. „Fußgänger und Radler können dann endlich auf der anderen Seite ihren Weg in alle Richtungen sicher fortsetzen“. Auch der Zugang zum Bussteig und zu den Bussen selbst wird verbessert. Der Busbahnhof erhält deutlich höhere Borde. Ab Ende des Jahres sollen Gehbehinderte mit Rollatoren und Rollstühlen höhengleich in die Busse gelangen können.

Der Behindertenbeauftragte der Stadt Löningen, Ralf Lampe, hat an dem Konzept mitgewirkt. Viele seiner Vorschläge fanden darin Eingang. Rund zehn Prozent der Bevölkerung seien körperlich beeinträchtigt, weiß Lampe, der selbst im Rollstuhl sitzt. Gedacht werden dürfe aber nicht nur an die Gehbehinderten. „Sehbehinderte und Blinde müssen die Straße ebenfalls sicher überqueren können. Da sollten auch wir Rollstuhlfahrer Rücksicht nehmen.“ So möchte Lampe, dass an den Übergängen leichte Kanten eingebaut werden, die Blinde mit ihrem Stock ertasten können.

Von der Stadtverwaltung und den Planern fühlt sich Ralf Lampe verstanden. „Die Zusammenarbeit war wirklich toll.“ Dass es baulich nicht immer so schnell geht, wie es eigentlich sollte, kann der Behindertenbeauftragte verstehen. „Die Stadt kann gar nicht alles auf einmal leisten. Es ist ein langer Prozess. Wir sind aber auf dem Weg.“ Das politische Ziel, bis 2022 einen vollständig barrierefreien öffentlichen Nahverkehr zu haben, hält er indes für nicht erreichbar.


zum oberen Bild:
Schwierig und gefährlich: Um zum gegenüberliegenden Einkaufszentrum zu gelangen, müssen Rollstuhlfahrer ein hohes Risiko eingehen. Querungshilfen sind nicht vorhanden. Foto: Meyer.

zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 15.02.2019.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 15.02.2019