Presseberichte

Respektvoller Umgang an oberster Stelle

Hagel-Hof bereitet sich auf den Winter vor

Mehr als 700 Tiere leben auf dem Gnadenhof in Bunnen. Besitzerin Barbara Deppe hatte sich Mitte der 1990er Jahre ihren großen Wunsch erfüllt und gibt seitdem Tieren ein Obdach bis zum Lebensende.

von Freya Crone-Münzebrock


Hof sucht dringend weitere freiwillige Helfer
Zitat Barbara Deppe, Hagel-Hof Bunnen: „Im Winter komprimiert sich die Arbeit und sie wird auch härter.“


Barbara Deppe führt ihren Schimmel Silas auf die Weide. Einen Halfter benötigt sie dafür nicht, das erblindete Tier vertraut ihrer ruhigen Stimme. Draußen wird Silas von den anderen Pferden, Schafen und Eseln auf dem Hagel-Hof schon erwartet. Ein neuer, friedlicher Tag auf dem Hagel-Hof kann beginnen.

Der Hof ist eine echte Rarität in der Region. Unter seinen mittlerweile über 700 Bewohnern befinden sich nicht nur heimische Tiere wie Schweine, Kaninchen und Hühner, sondern auch Exoten, darunter Affen, Schildkröten und sogar zwei Kaimane. Etwa 70 verschiedene Arten haben in Bunnen ein Asyl jenseits von Schlachthof oder Zoo gefunden.

Die Geschichte des einzigen Gnadenhofes im Landkreis Cloppenburg beginnt 1995. Für das Wohl von Tieren hatte sich Barbara Deppe schon seit jeher sehr interessiert. Als sie den Hagel-Hof vor 24 Jahren kaufte, konnte sie ihre Ideale in die Realität umzusetzen. „Für mich hat der respektvolle Umgang mit den Tieren höchste Priorität. Dazu gehört auch der Beistand bis zum Lebensende.“ Nur wenn das Leiden zu groß wird, lässt sie ihre Schützlinge einschläfern.

Den Tieren, die heute auf dem Hofein freies Leben führen dürfen, war es zuvor nicht gut gegangen. „Die meisten wurden nicht artgerecht gehalten und schlecht versorgt“, weiß Deppe. So wie die beiden Kaimane Quasty und Satan. Die Polizei hatte die Exoten aus einem Privatkeller befreit, ein Tierschutzverein brachte sie nach Bunnen, wo sie jetzt im „Südamerika-Haus“ leben. „Es ist genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt“, erklärt Barabara Deppe, die täglich Temperatur und Feuchtigkeitsgrad kontrolliert. In der Nachbarschaft tummelt sich derweil eine kleine Rasselbande. Einige der Affen stammen aus Versuchslaboren und haben ihre winzigen Käfige gegen ein geräumiges Gehege getauscht. Viel Platz auf dem Gnadenhof benötigt auch die Tauben-Voliere. Fast 300 Vögel, zumeist ehemalige Brief- und Stadttauben, leben darin. „Sie sind alleine nicht mehr überlebensfähig“, erklärt Deppe. Fliegen können viele nicht mehr, manche haben verkrüppelte Beine.

Die Arbeit auf dem Gnadenhof ist ein Vollzeitjob. Die Chefin muss aber zum Glück nicht alles selber machen, sondern wird von zwei Mitarbeiterinnen unterstützt. Finanziell ist der Hof auf Spenden angewiesen. Mit dem herannahenden Winter kommen auch zusätzliche Futterkosten auf ihn zu. Die Arbeit ändert sich in der kalten Jahreszeit. Um ihre Schildkröten etwa muss sich Barbara Deppe dann weniger kümmern, da sie Winterruhe halten. Andererseits würden die Tage jedoch kürzer und die Arbeit komprimierter und wegen der Kälte auch härter, berichtet sie.

Um ihren Tieren weiterhin gerecht zu werden und um sich eventuell noch zu vergrößern, benötigt der Hagel Hof dringend Hilfskräfte. „Überzeugungstäter“ seien gefragt, sagt Deppe. Platz, um weitere Tiere aufzunehmen, sei dagegen vorhanden.

Info:
Wer den Hagel-Hof unterstützen möchte, kann dies über eine Spende oder eine Patenschaft tun, zurzeit etwa für die beiden Alpakas „Socke“ und „Mo“ (Informationen gibt es online unter www.hagelhof.de).


zum oberen Bild:
Schlammparadies: Barbara Deppe kümmert sich auch um die beiden Schweine Emil und Momo. Foto: Crone-Münzebrock.

zum zweiten Bild:
Exot: Die Affen stammen zum Teil aus Versuchslaboren. Foto: Crone-Münzebrock.

zum dritten Bild:
Im Kriechgang: Platz ist auf dem Hagel-Hof genug. Foto: Crone-Münzebrock.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 23.09.2019