Presseberichte

„Schule macht einen richtig guten Eindruck“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nimmt sich zwei Stunden Zeit für das Copernicus-Gymnasium

In wichtigen Fragen der Politik wie dem Klimaschutz und dem Breitbandausbau hat Ministerpräsident Stephan Weil Fehleinschätzungen der Politik eingeräumt.
Stefan Weil: „Ich bin nicht der König von Niedersachsen.“
Schule präsentiert dem Ministerpräsidenten ihre drei „Leuchttürme“

von Willi Siemer


Über hohen Besuch freute sich gestern die Schulgemeinschaft des Löninger Copernicus-Gymnasiums: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil besuchte und besichtigte die Schule. Nach zwei Stunden Information auf einem Rundgang und vielen Gesprächen zeigte er sich beeindruckt und erklärte gegenüber Schulleiter Ralf Göken: „Ihre Schule macht einen richtig guten Eindruck, Sie sind in vielen Bereichen wie dem Bläser- und Streicherklassen-Modell und dem USA-Austausch, sehr aktiv“.

Höhepunkt und Abschluss war eine Podiumsdiskussion mit acht jungen Frauen und Männern der Oberstufe vor den Schülern und Lehrern im Forum Hasetal, die sich sorgfältig auf fünf verschiedene Themenbereiche vorbereitet hatten und den Landesvater und führenden deutschen SPD-Politiker mit kritischen Fragen löcherten.

Er stehe nicht unter Naturschutz, hatte Weil ausdrücklich zu kritischen Fragen aufgefordert. Er sei aber auch nicht der König von Niedersachsen, der alles allein und sofort entscheiden könne, machte er seine Einflussgrenzen deutlich.

Themen waren die Notwendigkeit eines verstärkten Klimaschutzes, der dringend nötige Breitbandausbau auf dem Lande, die Zukunftschancen des ländlichen Raums angesichts der Forderung nach deutlichen Erhöhungen der Spritpreise für den Klimaschutz, die Verteilung der Gelder des Digitalpaktes und die Zukunft der Volksparteien angesichts des Niedergangs der SPD. Für seine Antworten und auch die Art des Umgangs und die Reaktion auf die Fragen gab es von Moderator Taku Samuriwu ein großes Kompliment: „Sie sind ja normal“.

Weil räumte in einigen Bereichen wie dem Klimaschutz und dem Breitbandausbau Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Politik ein, die so schnell wie möglich korrigiert werden müssten. Beim Klimaschutz müsse die Politik echt besser werden, sie habe zu lange alles so laufen lassen.

Dabei dürfe der ländliche Raum aber nicht überfordert werden, es müsse bei höheren Benzinpreisen einen Ausgleich geben für die Menschen, die für die Fahrt zur Arbeit auf das Auto angewiesen seien.

Wenn man aus der Kohle und dem Atomstrom aussteige, müsse man aber bei der Windenergie wieder einsteigen, so Weil.

Die SPD sei nach wie vor eine Volkspartei, betonte Weil. Er definierte sie allerdings nicht über den Stimmenanteil. Eine Volkspartei sei für alle Menschen und engagiere sich nicht nur für eine bestimmte Klientel. Die etablierten Parteien müssten aufpassen, dass sie nicht abhöben. Den Wunsch nach einfachen Antworten könnten verantwortungsbewusste Politiker aber nicht erfüllen: „Die Welt ist nun mal ziemlich kompliziert geworden“.

Zum Auftakt hatten die Schülersprecher Celina Sill und Hannes Hülskamp sowie der Schuleiter Weil durch die Schule geführt und dabei die „Leuchttürme“ präsentiert.

Das niedersachsenweit größte Musikklassenmodell, in dem mehr als 80 Prozent jedes Jahrgangs ein Musikinstrument erlernt, wurde nicht in der Theorie, sondern durch zwei Stücke der Big Band unter der Leitung von Maria Baalmann praktisch vorgestellt. Weitere Station war das Molekularlabor.


In einem Klassenraum präsentierte Koordinatorin Elisabeth Rüve die Schulpartnerschaft mit der Norfolk Academy. Sie sei die älteste deutsch-amerikanische Partnerschaft. In vier Jahren könne das 50-jährige Bestehen gefeiert werden, so Rüve.


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„Wir haben inzwischen Todesangst“
Ministerpräsident stellt sich Demonstranten

Die Massenpanik auf einer Weide in Augustenfeld sei der schwerste Zwischenfall mit einem Wolf, von dem er bisher gehört habe, sagte Stephan Weil in Löningen.

von Georg Meyer


Mehr als 40 tote Schafe und Lämmer hatte Schäfer Egbert Ostermann gestern in seine Frontladerschaufel gelegt und war damit zum Löninger Rathaus gefahren. Er wollte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zeigen, was der Wolf vor einigen Tagen auf seiner Weide angerichtet hatte. Die Konfrontation gelang. Weil nahm sich Zeit, sprach mit Ostermann und hörte sich - gewohnt ruhig - die Anliegen der knapp 250 Demonstranten an.

Die Nerven der Menschen zwischen Hase und Radde liegen indes blank. Für Egbert Ostermann war es bereits der sechste Wolfsangriff seit April (MT berichtete). Über hundert Tiere hat er seitdem verloren, der finanzielle Schaden liege bei rund 30000 Euro, sagt er. Zumindest in der Entschädigungsfrage dürfte es jetzt schneller gehen. Stephan Weil sicherte dem Löninger eine kurzfristige Lösung zu. Dennoch sieht Ostermann derzeit kaum noch Perspektiven `ür sich und seine Berufskollegen. Jahr für Jahr nehme die Zahl der Wölfe zu. Und solange dagegen nichts unternommen werde, werde die Weidehaltung immer unmöglicher gemacht.

Die Forderung nach der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht wurde vor dem Rathaus mehrfach erhoben. Auch Stephan Weil hofft, in dieser Frage voranzukommen, wies allerdings auf das Bundesnaturschutzgesetz sowie das EU-Recht hin, das dem bisher entgegenstehe. Zunächst sollen geschädigte Halter schneller entschädigt werden, indem die Entscheidungsgewalt ab Januar den Landwirtschaftskammern übertragen wird. Außerdem werde das Land die Kosten für neue Elektrozäune übernehmen. Weil betonte, er verstehe die Wut der Weidetierhalter und versprach, für sie zukämpfen. „Wir wissen genau, dass die Art und Weise, wie bestimmte Regionen belastet sind, so nicht geht.“

Den Demonstrierenden, die zum Teil mit Treckern nach Löningen gekommen waren, ging es allerdings nicht nur um ihre Tiere. Sie sehen inzwischen auch die Menschen, die in den Wolfsgebieten leben, in Gefahr. „Meine Kinder trauen sich morgens nicht mehr allein zur Bushaltestelle“, berichtet Petra Appeldorn aus Augustenfeld. Sie selbst mag im Dunkeln kaum noch zu ihrem Stall gehen. „Wir haben inzwischen Todesangst.“ Für sie gebe es soetwas wie einen „Problemwolf“ gar nicht. „Alle Wölfe sind das Problem.“ Inzwischen hätten die Raubtiere jede Scheu vor dem Menschen verloren. Immer wieder entdecke sie bei sich zu Hause Wolfsspuren, sagt Appeldorn. Gesehen hat sie die Tiere ebenfalls schon. „Dafür muss man sich nur eine Weile irgendwohin stellen.“ Auch Josef Woltermann, der in Schelmkappe einen großen Ponyhof betreibt, und vor allem Kinder und Jugendliche beherbergt, macht sich große Sorgen. „Was soll ich den Eltern der Kinder sagen, wenn einmal etwas Schlimmes passiert?“ Bislang ist zwar noch von keinem Wolfsangriff auf einen Menschen berichtet worden, doch Woltermann ist sich nicht sicher, ob das so bleibt. „Sollte ein Kind wirklich angefallen werden, dann wird die Politik sofort handeln“, glaubt er. „Aber warum muss es denn immer erst so weit kommen?“

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[Fernsehbericht des NDR zum Besuch des Ministerpräsidenten in Löningen]



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zum oberen Bild:
Letzter Akt in Löningen: Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Gespräch mit den Landwirten weihte der Ministerpräsident (4.v.li.) gemeinsam mit Bürgermeister Willen (Mitte), Straßenbauamtschef Klaus Haberland, Detlef Kolde und Landrat Wimberg die mit Landesmitteln geförderte Lindenallee ein. Foto: Stefan Beumker.

zum zweiten Bild:
Höhepunkt des Besuchs: Die versammelten Schüler und Lehrer begrüßten, gemeinsam mit Schulleiter Ralf Göken (Dritter v. r.), seinem Vertreter Thorsten Ellmann (links) sowie den beiden Schülervertretern, Ministerpräsident Stephan Weil (Vierter v. r.), Landrat Wimberg (Mitte) und Bürgermeister Willen zur Podiumsdiskussion. Foto: Willi Siemer.

zum dritten Bild:
Stephan Weil besucht MT: Prominenter Besuch bei der Münsterländischen Tageszeitung: Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil war gestern zu Gast bei der Heimatzeitung in Cloppenburg, Verleger Jan Imsiecke sowie Chefredakteur und Verlagsleiter Julius Höffmann (stehend von links) stellten ihm die tägliche Redaktionsarbeit vor. Zuvor war Weil beim Copernicus-Gymnasium in Löningen. Vor dem Rathaus kam es zur Begegnung mit 250 Demonstranten, die auf ihre Sorgen über die zunehmende Wolfspopulation aufmerksam machen wollten. Foto: Vorwerk.

zum vierten Bild:
Sichtlich beeindruckt: Egbert Ostermann (links) beschreibt Ministerpräsident Stephan Weil, was der Wolf vor einigen Tagen unter seinen Schafen anrichtete. Foto: Stefan Beumker.

zum fünften Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 12.12.2019.

zum sechsten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 12.12.2019.

zum siebten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 12.12.2019.


Quelle:
Berichte der Münsterländischen Tageszeitung vom 12.12.2019