Presseberichte

Emmauskapelle ein heller, freundlicher Ort

Kirchengemeinde St. Vitus weiht grundsaniertes Gebäude ein / Beerdigungen beginnen wieder mit Aussegnung

Die Umgestaltung und Grundsanierung der neuen Emmauskapelle hat knapp 700000 Euro gekostet. Nach Abzug der Spenden von 65000 Euro trägt die Stadt die Hälfte der Kosten.

von Willi Siemer


Mit einem Wortgottesdienst und der anschließenden Möglichkeit, sich alle neu gestalteten Räume anzusehen, haben die Löninger St.-Vitus-Gemeinde und die Stadt Löningen die grundsanierte und umgestaltete Friedhofskapelle eingeweiht. Gleichzeitig wurde ihr der Name „Emmauskapelle“ gegeben. Der Emmaus-Gang, eine der bekanntesten Erzählungen des neuen Testaments habe mehrere Bedeutungsebenen, so Dechant Bertholt Kerkhoff.

Zum einen seien wir Menschen wie die Emmaus-Jünger unterwegs, zum anderen zeige sich hier Jesus als Trauerbegleiter und Tröster der Menschen.

Damit kehrt die Gemeinde ab sofort zur bisher üblichen Art der Beerdigung zurück, das heißt zunächst findet die Aussegnung in der Emmauskapelle auf dem Friedhof an der Meerdorfer Straße statt, anschließend ist Beerdigung und daran schließt sich das Requiem in der Pfarrkirche an.

Es sei stets eines seiner Herzensanliegen gewesen, aus diesem 50 Jahre alten, dunklen und dringend sanierungsbedürftigen Gebäude mit einem bedrückenden Flur einen hellen, freundlichen Ort mit so viel Tageslicht wie möglich zu machen, so Kerkhoff.

Dies sei immer noch ein Ort der Trauer für die Angehörigen, er habe sich aber durch die Umgestaltungen zu einem Ort gewandelt, an dem Begegnung mit anderen Trauernden möglich sei und an dem Trauer nicht allein ausgehalten werden müsse.

Als Beleg, wie sehr sich die Gemeinde mit diesem Projekt identifiziere, wertete Kerkhoff die Spenden von über 65000 Euro.

Die vier Aufbahrungsräume verfügen ebenso wie der Flur jetzt über Tageslicht, die Kapelle selbst über einen neuen Ausgang für den Gang zum Friedhof, die neue Sakristei dient auch als Besprechungsraum.

Viel Wert gelegt worden ist auf die Ausgestaltung des zentralen Raums. Das Relief von Josef Krautwald, das den Weg von Reichen und Armen, Gesunden und Kranken durch das Leben in den Tod zeigt, befindet sich jetzt an zentraler Stelle im Raum, hinzu kommen die neuen Buntglasfenster und das große Edelstahl-Wandkreuz des Friesoyther Künstlers Alfred Bullermann als Akzente.

Das Projekt sei ein weiterer Beweis für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Kirchengemeinde und Stadt, gratulierte Bürgermeister Marcus Willen. Da das Bestattungswesen eine kommunale Aufgabe sei, trage die Stadt 50 Prozent der Kosten.

Der Zivilisationsgrad einer Gesellschaft zeige sich auch daran, wie sie mit ihren Schwächsten, mit Krankheit und Tod umgehe. Die Emmauskapelle sei ein würdiger und angemessener Ort, auf den beide Partner mit Fug und Recht stolz sein könnten, so Willen.

Die Umgestaltung hat nach Angaben der Rechnungsführerin der Gemeinde, UrsulaTewes, knapp 700000 Euro gekostet, die Spenden abgezogen verbleibt ein Anteil von 315000 Euro für die Kommune. Hinzu kommen 40000 Euro für die Umgestaltung des Vorplatzes, auch hier trägt die Stadt die Hälfte.

Zur Finanzierung hat die Kirchengemeinde neben Rücklagen unter anderem ein Darlehen aufgenommen, das durch die Einnahmen aus den Gebühren finanziert wird. Die Zahl der Toten in den Aufbahrungsräumen mit den neuen Kühlkatafalken schwankt zwischen 131 (2016) und 101 (2018), die Kapelle selbst wird durchschnittlich 80-mal im Jahr genutzt.


zum Bild:
Großes Interesse: Viele Mitglieder der Kirchengemeinde und Interessierte waren am Sonntag gekommen, um in der neu gestalteten Kapelle selbst und auch unter dem Dach des Außenbereichs die Einsegnung der grundsanierten Emmauskapelle zu erleben. Dechant Bertholt Kerkhoff und Bürgermeister Willen würdigten das gelungene Projekt und dankten sich gegenseitig für die gute Zusammenarbeit. Foto: Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung ovm 03.03.2020.