Presseberichte

Guter Geist verlässt das Krankenhaus

Schwester Josefine gibt Seelsorge ab

Ordensfrauen haben die Krankenhauspflege mit aufgebaut. Ihre Verdienste bleiben. Inzwischen sind sie aber eine Seltenheit geworden.
Pastoralreferent soll Krankenhausseelsorge übernehmen.

von Georg Meyer


An Schwester Josefine ist alles authentisch - sogar der Name. Ihren Vornamen nämlich durfte Josefine Büscher nach dem Eintritt in den Orden der Mauritzer Franziskanerinnen behalten. „Darüber war ich sehr froh“. Seit vier Jahren wirkt die Seelsorgerin in der St.-Anna-Klinik. Damit ist jedoch bald Schluss. Ende Juli wird die 66-Jährige Löningen wieder verlassen.

Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, betont die Ordensfrau. „In Löningen habe ich mich von Anfang an willkommen gefühlt“. Trotzdem war es nach dem Weggang ihrer älteren Mitschwestern Hubertis und Flavina ein wenig einsam um sie geworden. „Ich habe mich nach der Gemeinschaft meines Konvents gesehnt“, gibt die gebürtige Warendorferin freimütig zu. Ihr neues Heim ist deshalb bald das Haus Maria Hilf in Telgte. Dort leben bereits 27 Franziskanerinnen unter einem Dach. Freuen darf sich auch die örtliche Pfarrgemeinde St. Marien, deren Seelsorgeteam Schwester Josefine verstärkt.

1988 war die Bauerntochter in den Orden eingetreten. Damals war sie bereits 34 und hatte neben einem sozialpädagogischen Studium auch eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert. Für die Entscheidung, ein Leben in geistlicher Gemeinschaft zu führen, nahm sie sich viel Zeit. Bereut hat sie sie aber nicht. „Es gibt Höhen und Tiefen, aber das gilt ja für jedes Leben“, sagt sie. Schon damals war der Kreis der Novizinnen nicht groß, begannen die Orden in Deutschland unaufhaltsam zu schrumpfen. Aus dem traditionell katholisch geprägten Landkreis Cloppenburg haben sie sich mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen zurückgezogen. Auch die Salesianer werden dies im Sommer tun und das Don-Bosco-Haus in Calhorn schließen (MT berichtete).

Schwester Josefine bedauert diese Entwicklung zwar, glaubt aber dennoch fest an die Zukunft der Ordensberufe. „Sie werden gebraucht“, ist die Krankenhausseelsorgerin überzeugt. In der St.-Anna-Klinik füllte sie in den vergangenen Jahren eine wichtige Lücke, denn trotz hohen Engagements fehlt Krankenschwestern und Pflegern oft schlicht die Zeit, um sich neben dem körperlichen auch um das seelische Wohl der Patienten zu kümmern. Schwester Josefine besucht sie an ihren Betten, hört zu, spricht und betet mit ihnen. Immer wieder steht sie Sterbenden in ihren letzten Stunden bei und ist auch den Angehörigen eine wichtige Stütze. Die Arbeit sei nicht leicht, aber sinnvoll, sagt sie. „Ich erlebe immer wieder Situationen, die mich sehr berühren.“ Für ihr Tun erfährt sie Anerkennung. „Nachdem ich meinen Abschied im Pfarrblatt öffentlich gemacht hatte, dankte mir ein Briefschreiber für die Sterbebegleitung seiner Mutter vor einigen Jahren. Darüber habe ich mich sehr gefreut“.

Bevor Schwester Josefine nach Löningen kam, war sie bereits in mehreren Krankenhäusern und Altenheimen sowie in einem Tagungshaus aktiv gewesen. Die Endphase ihrer Tätigkeit in der St.-Anna-Klinik wird jetzt überschattet von der Coronakrise. An das ständige Tragen des Mundschutzes etwa kann sich die Seelsorgerin nur schwer gewöhnen. Noch schlimmer findet sie, dass weiterhin keine Gottesdienste in der Krankenhauskapelle stattfinden dürfen. Auch der Trauerkreis, den sie gemeinsam mit Marita Feldmann leitet, fällt seit Wochen aus. Er werde aber nach ihrem Weggang weitergeführt, betont die Franziskanerin. Gleiches gelte für die Krankenhausseelsorge, die voraussichtlich ein Pastoralreferent übernimmt. Wann dieser kommen wird, steht aber noch nicht fest.

Ihren offiziellen Abschied kann Schwester Josefine wegen Corona nicht in der Klinik nehmen, was sie sehr bedauert. Stattdessen ist dafür ein Gottesdienst in der St.-Vitus-Kirche vorgesehen. „Ich bin dankbar für die Zeit hier“, sagt sie und denkt vor allem an das gute Miteinander im Krankenhaus und in der Kirchengemeinde. Auch wenn sie sich auf die Zukunft freut: Gehen werde sie mit Wehmut. Und ganz sicher werde sie nach Löningen zurückkehren - dann allerdings nur zu Besuch.


zum oberen Bild:
Abschied mit Wehmut: Schwester M. Josefine Büscher wird Ende Juli die Seelsorge in der St.-Anna-Klinik auf eigenen Wunsch beenden und zu ihren Mitschwestern nach Telgte ziehen. Foto: Meyer.

zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 26.05.2020.


Quelle:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 26.05.2020.