Presseberichte

Sozialer Briefkasten will auch ausbilden

Lehrstellen im Tischlerhandwerk, im Metallbau und in Hauswirtschaft geplant / Spendenaufruf für CNC-Maschine

Drei Lehrstellen einrichten will der Soziale Briefkasten in Löningen. In der Tischlerei fehlt dafür noch eine CNC-Maschine. Die Einrichtung hofft auf Spenden.

von Willi Siemer


Nicht mehr „nur“ Grundkenntnisse und Schlüsselqualifikationen vermitteln und Stabilisierung leisten will der Soziale Briefkasten in Löningen den jungen Leuten, die ihnen von der Arbeitsagentur geschickt werden. „Wir haben uns entschlossen, in unseren drei Schwerpunktbereichen drei Lehrstellen im Tischlerhandwerk, im Metallbau-Bereich und in der Hauswirtschaft einzurichten“, kündigt Leiterin Elfriede Bruns im MT-Gespräch an.

Das gebe zum einen drei jungen Frauen und Männern, die aufgrund von Eingliederungshemmnissen und eines besonderen sozialpädagogischen Förderungsbedarfs bisher am Übergang von der Schule ins Berufsleben scheitern, die Chance, sich mit einem Gesellenbrief zu etablieren. Zum anderen sei es für die in der Regel 20 jungen Menschen im Sozialen Briefkastens ein Ansporn und ein Beispiel, was mit entsprechenden Anstrengungen auch auf Dauer im normalen Arbeitsmarkt möglich sei.

„Wir erfüllen mit den Ausbildungsberechtigungen von Tischlermeister Torsten Meyer, Metallbaumeister Arno Elschen sowie unserer Hauswirtschafterin Silvia Schrand die notwendigen formalen Voraussetzungen“, so Bruns.

Was in der Tischlerei noch fehlt, ist eine kleine CNC-Maschine. Die Ausbildung daran sei Teil des Rahmenplans, erläutert Meyer. Alle Beteiligten hoffen auf Spenden für die 5000 Euro teure Anschaffung. 500 Euro als Grundstock hat jetzt ein Löninger Geschäftsmann gespendet.

Generell sei ein kleiner Betrieb wie der Briefkasten, der nicht wie andere Handwerker im harten Wettbewerb um Aufträge stehe, gut geeignet, auszubilden. Da zumeist nicht die praktischen Fertigkeiten und Talente das Problem seien, sondern die schulischen Defizite, seien gerade auf diesem Sektor sowohl Zeit vorhanden und auch die Betreuungsvoraussetzungen gegeben, so Bruns.

Es sei häufig diese aus den unterschiedlichsten Gründen entstandene Lernschwäche, an der die jungen Frauen und Männer in ihren Ausbildungen beziehungsweise beim Versuch, eine solche zu erhalten, scheiterten, schildert Torsten Meyer seine Erfahrungen. Natürlich gebe es weitere unterschiedliche Baustellen, an denen gearbeitet werden müsse, dies sei aber eine der größten, die mit in der Betreuung und dem Unterricht beseitigt werden soll. Generelle Aufgabe zu Beginn sei es auch, Vertrauen und verlässliche Strukturen für die jungen Frauen und Mädchen aufzubauen. Dazu gehöre auch das täglich frisch und abwechslungsreich gekochte Mittagessen, das in der Gemeinschaft eingenommen werde, so Meyer.

Unerlässlich für den dauerhaften Erfolg sowohl in der Vermittlung von Ausbildungs- als auch Arbeitsstellen sei die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu den Betrieben der Region, betont der Betreuer. Begonnen wird in der Regel mit kleinen, begleiteten Praktika. Die seit mehr als 40 Jahren bestehende und vom Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) als Träger betriebene Einrichtung in Löningen, die ihre Teilnehmer vom Arbeitsamt vermittelt bekommt, wird aus Mitteln der Arbeitsagentur und der niedersächsischen N-Bank finanziert. In der Regel werden rund 20 junge Leute am Dr.Lübbers-Weg betreut. Zurzeit seien es, auch coronabedingt, nur zwölf, da es auch in den Job-Centern aufgrund der Einschränkungen Probleme bei den Zuweisungen gebe, erläutert die Leiterin.


zum oberen Bild:
Soll ausgebaut werden: In ihren drei Arbeitsfeldern Tischlerei, Metall und Hauswirtschaft wollen die Verantwortlichen des Sozialen Briefkastens nicht nur Grundkenntnisse vermitteln und den jungen Erwerbslosen mit sozialpädagogischen Förderbedarf an das Erwerbsleben heranführen, sondern in Zukunft auch ausbilden. Für die von Meister Torsten Meyer betreute Tischlerei, in der Dominik Oesterreich (li.) und Sergej Gareis arbeiten, hoffen die Verantwortlichen auf Spenden für die CNC-Maschine, die angeschafft werden soll. Foto: Willi Siemer.

zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 14.08.2020.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 14.08.2020