Presseberichte

Bunner bauten schon zu Cäsars Zeiten Häuser

Ergiebige Ausgrabung mit 509 Befunden

Bereits vor 1838 war beim Torfstechen im Bunner Moor eine bronzene Knabenstatuette gefunden worden, die im zweiten Jahrhundert in Rom hergestellt worden war.

von Willi Siemer


Bei der Ausgrabung von fast 8000 Quadratmeter Fläche des neuen Baugebiets in Bunnen zwischen dem Kindergarten und der Straße von Essen nach Löningen sind die Grundrisse einer Siedlung aus der von der Zeitenwende bis zu 400 nach Christus datierten Römischen Kaiserzeit entdeckt worden. Die Arbeiten waren von der unteren Denkmalbehörde angeordnet worden, weil es sich hier um Eschboden handelt, auf dem Plaggenwirtschaft betrieben wurde, die die darunterliegenden Schichten konserviert.

Weiterer Grund für eine nähere Untersuchung sind nach Angaben der Kreisverwaltung Hinweise auf eine in direkter Nachbarschaft an der Ecke Löninger und Lastruper Straße vermutete frühe Burganlage, nähere Angaben seien aber nicht bekannt, so Kreissprecher Frank Beumker.

Die Arbeiten seien abgeschlossen, die beauftragte Firma „Denkmal3D“ habe ihren Abschlussbericht vorgelegt, erläutert Fachbereichsleiterin Hannah Lohe von der Stadtverwaltung im MT-Gespräch. Voraussichtlich im Herbst werde mit der Erschließung der 20 Bauplätze begonnen.

Es habe sehr viele Befunde, insgesamt 509, gegeben. Dabei wurden nach dem Bericht der Experten vier Gebäude- und Hausgrundrisse entdeckt. Neben wenigen Metallfunden wurden viele Keramikscherben ausgegraben, die „eine zeitliche Eingrenzung der Befunde in die Römische Kaiserzeit nahelegen“, heißt es im Bericht.

Dass es nicht nur vereinzelten, sondern vielfältigen Handel und Beziehungen der damals im Raum Löningen siedelnden Germanen zu den Römern gegeben haben muss, beweisen mehrere von den Archäologen als bedeutend eingestufte Funde.

Auch die Römer selbst waren nach Angaben des Löninger Heimatforschers Alfred Benken durch ihre Feldzüge zur Eroberung Germaniens in diesem Gebiet unterwegs. So zog Germanikus, der Neffe des Kaisers Tiberius 16.n. Christus von der Ems längs der Hase in Richtung Weser. Die Römer errichteten dabei Befestigungen, wie die Wekenborg bei Meppen oder die Aseburg bei Herzlake.

Der spektakulärste Fund ist eine römische Knabenstatuette, die bereits vor 1838 beim Torfstechen im Bunner Moor entdeckt wurde. Die fast 30 Zentimeter große Figur ist nach Angaben von Jörg Eckert in seinem Beitrag „Zur Vorgeschichte Löningens“ in der Stadtchronik in einem vorzüglichen Zustand. Die Augen sind mit Silber eingelegt, Lippen und Brustwarzen mit Kupfer plattiert. Nach den Erkenntnissen ist die in einem Oldenburger Museum ausgestellte Figur, von der eine Kopie im Löninger Rathaus gezeigt wird, im zweiten Jahrhundert in einer Werkstatt in Italien hergestellt worden. „Wie und warum die kostbare Figur ins Moor geriet, bleibt unbekannt“, schreibt Eckert. Erwähnenswert sind weiter eine römische Tonlampe, in Bunnen entdeckt, ein als selten eingestufter römischer, gerippter Bronzekessel mit Henkel, 1872 in einem Hügelgrab in Böen ausgegraben, sowie fünf römische Münzen, die 1888 in Benstrup unter unbekannten Umständen entdeckt wurden.


zum oberen Bild:
Ergiebige Prospektierung: Anfang des Jahres untersuchte die Firma „Denkmal3D" im Auftrag der Stadt fast 8000 Quadratmeter des neuen Bunner Baugebietes zwischen Kindergarten und der Straße von Löningen nach Essen. Dabei wurden 509 Befunde als archäologisch relevant eingestuft. Nach den gefundenen Keramikscherben handelt es sich um eine Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit. Foto: Hannah Lohe.

zum zweiten Bild:
Bodenquerschitt: Unter dem 33 Zentimeter hohen Pflughorizont befindet sich der einen halben Meter starke Plaggeneschauftrag. Foto: Denkmal3D.

zum dritten Bild:
Sehr gut sichtbar anhand der Befunde: Zwei der vier Hausgrundrisse im neuen Baugebiet in der Nähe des Kindergartens. Foto: Denkmal3D.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 17.08.2020.