Presseberichte

„Werte sind insgesamt völlig in Ordnung“

Einzelhandelskonzept für die Stadt Löningen im Fachausschuss vorgestellt: Einstimmige Empfehlung an den Rat

Das Einzelhandelskonzept ist wegen seiner Bedeutung für die Innenstadt ein zentraler Baustein für das städtebauliche Entwicklungskonzept.

von Willi Siemer


Auf Interesse der zahlreichen Besuchern und Zustimmung von den Ratsmitgliedern ist das von Jens Nussbaum vom Büro „Stadt und Handel“ aus Dortmund in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Bau, Verkehr und Sport im Forum Hasetal vorgestellte „Einzelhandelskonzept“ für Löningen gestoßen. Bei einigen Enthaltungen empfahl das Gremium dem Rat einstimmig, es so zu beschließen.

Jahrzehnte nach dem letzten derartigen Konzept hatte der Rat die eingehende Untersuchung im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Es sei ein zentraler Baustein des umfassenden städtebaulichen Entwicklungskonzepts, das zurzeit erarbeitet werde, erklärte Bürgermeister Marcus Willen.

Nussbaum machte deutlich, dass Corona in Entwicklungsbereichen wie dem zunehmenden Online-Handel vor allem im Mode-, Büro- und Schreibwarenbereich sowie in Unterhaltungselektronik nicht die Ursache, sondern vor allem ein Trendverstärker sei.

Insgesamt habe er einen Anteil von elf Prozent am Umsatz, in den oben genannten Bereichen aber von bis zu 40 Prozent. Bisher sei festzustellen, dass kleine und mittlere Städte etwas besser durch die coronabedingte Krise kommen.

Ein Lob gab es sowohl in der Passantenbefragung als auch vom Experten, der sich die Innenstadt mehrere Male eingehend angesehen hatte, für die Parkplatz-Situation, die gut sei. Auch durch die fast überall gegebene rückwärtige Erschließung sei die schnelle Erreichbarkeit der Geschäfte auch in der Fußgängerzone gut.

In seinem Gesamtfazit kommt der Experte zu dem Urteil, dass die in den Analysen und Befragungen ermittelten Werte „insgesamt für eine Stadt von der Größe Löningens in Ordnung sind“. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kaufkraft in ihren Ort fließe, dabei handele es sich um eine kleine Stadt, betonte Nussbaum. Selbstverständlich gingen die Leute auch woanders kaufen und suchten das Bummelerlebnis in der Großstadt.

In etlichen Bereichen wie den Nahrungs- und Genussmitteln, der medizinischen Versorgung, im Drogerie-Bereich oder beim Pflanzen- und Gartenbedarf erreichten die Geschäfte einen Wert besser als den Wert eins, was die Bedarfsdeckung vor Ort zeige. Den mit Abstand niedrigsten Wert mit nicht einmal 0.10 erhält der Möbelsektor, indem es in Löningen keinerlei Angebote gibt.

Es sei zwar offiziell ein Grundzentrum, erfülle aber in vielen Bereichen, zum Beispiel 20-prozentigen Anteil auswärtiger Kunden de facto die Anforderungen an ein Mittelzentrum, so Nussbaum. Die auch von ihm gelobte Gastronomie, wird mit den zahlreichen Möglichkeiten draußen zu sitzen auch von den Befragten mit den besten Werten bedacht.

45 Prozent loben das gastronomische Angebot als sehr gut und 40 als gut. Besser schneiden nur die Parkkosten mit 80 Prozent sehr gut ab. In ihrer Bedeutung sei die Gastronomie dem Einzelhandel „dicht auf den Versen“.

Als zentrale Ziele, die mit dem Konzept verwirklicht werden sollen, formulieren die Gutachter den Erhalt und die Stärkung der grundzentralen Versorgungsfunktion, das Erhöhen der Einkaufsqualität, das Ausschöpfen der absatzwirtschaftlichen Potenziale insbesondere im mittelfristigen Bedarfsbereich und das Sichern und Stärken der Einzelhandelszentralität. Nussbaum räumte allerdings ein, dass es schwer sei, in gewachsenen Lagen Fehlentwicklungen zu beseitigen beziehungsweise auf andere Art und Weise gegenzusteuern.

Den im Konzept nachgewiesenen zentralen Versorgungsbereich in der Innenstadt empfinde er als Glück, kommentierte Bürgermeister Marcus Willen die Ergebnisse. Als eine der Kernbootschaften sehe er, dass nicht unbedingt Neues außerhalb dieses Bereichs angesiedelt werden müsse.


zum oberen Bild:
In der Diskussion: Nach MT-Informationen gibt es Überlegungen, in der nach Aussage des Bürgermeisters „Champions-League“-Lage im Geschäftskomplex südlich des Kirchturms den Aldi neu zu bauen. Er sei froh, dass Rat und Verwaltung der Überlegung zum Neubau abseits der direkten Anbindung an die Innenstadt am Tennispark widerstanden habe, erklärte Bürgermeister in der Sitzung. Diesem Bereich in der Hauptlage mit direkter Anbindung ans Zentrum kommt nach Aussage der Experten zentrale Bedeutung als Frequenzbringer zu. Foto: Willi Siemer.

zum zweiten Bild:
Kundenherkunft: Teil des Konzepts ist auch die Auswertung einer Kundenbefragung, die im Juli 2019 in der Innenstadt gemacht wurde. Neben der Stadt selbst als zentralem Herkunftsort sind es alle umliegenden Gemeinden und vor allem Lindern, Herzlake und Vinnen.

zum dritten Bild:
Innenstadtstruktur: Die dunkleren roten Bereiche bewerten die Experten als „Hauptlagen“ mit Aldi (unten re.), K&K unten links und dem Marktplatz rechts der Mitte als zentralen Bereichen. „Nebenlagen“ sind insbesondere die Tabbenstraße und ein Teil der Langenstraße.


Quelle:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 04.09.2020.