Presseberichte

Landkreis schließt die Schwimmbäder

Insgesamt 117 aktive Coronafälle

Auch der Schulsport ist jetzt verboten. Die 7-Tagesinzidenz könnte heute den Grenzwert übersteigen.

von Matthias Bänsch


15 neue Coronafälle im Landkreis Cloppenburg – die Zahl der aktiven und nachgewiesenen Infektionen liegt damit mit Stand von Donnerstag bei 117. Am Vortag lag die Zahl noch bei 107. Den 15 Neuinfektionen stehen fünf Genesungen gegenüber.

Damit setzt sich die Entwicklung der vergangenen Tage fort, die Infektionskurve steigt weiter deutlich nach oben. Der Landkreis Cloppenburg hat derweil seine am 15.09.2020 erlassene Allgemeinverfügung überarbeitet. Demnach werden jetzt auch sämtliche Schwimmbäder für den Freizeit- und Vereinssport im Landkreis geschlossen (einzige Ausnahme sind Reha-Maßnahmen). Außerdem wird nun ebenfalls der Schulsport (Ausnahme: Abschlussprüfungen) untersagt.

Wie bereits berichtet, sind acht Schüler der BBS Technik bereits am Mittwochnachmittag positiv getestet worden. Sie werden nun auch in der Statistik des Landkreises erfasst. Jeweils einen neuen Coronafall gibt es in den Kindergärten in Kneheim, St. Vitus Löningen und St. Marien Löningen. Weitere Coronafälle gibt es an der Realschule Löningen und an der BBS am Museumsdorf.

Weil einer der Schwerpunkte bei den Infektionen offenkundig auch im schulischen Bereich liegt, hat der Landkreis angekündigt, härter gegen Verstöße bei der Maskenpflicht in Schulbussen und an Haltestellen vorzugehen. Die Kreisverwaltung sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass vor allem ältere Schüler die Maske nicht korrekt oder gar überhaupt nicht in den Bussen tragen. „Während Schüler meistens mit Verständnis reagierten und die Maske aufsetzten, sobald sie angesprochen wurden, reagierten manche Eltern mit Unverständnis. Zum Teil kam es zu Diskussionen vor Ort“, berichtete Kreissprecher Frank Beumker am Donnerstag. Die Konsequenz: „Ab sofort drohen Schülern, die bewusst fahrlässig die Maskenpflicht verletzen, Bußgelder.“

Angesichts der aktuellen Zahlen wird es immer wahrscheinlicher, dass vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt am Freitagvormittag eine 7-Tagesinzidenz von über 50 ausgegeben wird. Dieser Grenzwert wird gemäß des bisherigen Prozederes dann vom Robert-Koch-Institutes am Samstag übernommen. Für die Einwohner des Landkreises wird sich allerdings zunächst kaum etwas ändern. Die aktuelle Allgemeinverfügung ist bereits eine Reaktion auf das derzeitige Infektionsgeschehen.


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Kritischer Schwellenwert rückt in greifbare Nähe
Corona-Pandemie: Trotz einer Sieben-Tages-Inzidenz über 50 würde der Landkreis nicht als Risikogebiet gelten


Tief rot steht er da – der Landkreis Cloppenburg auf der Niedersachsen-Karte des Landesgesundheitsamtes. Mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 46,9 ist der Kreis ein trauriger Spitzenreiter. Seit Monaten wurde der Wert 50 als Grenze genannt. Die rückt jetzt in greifbare Nähe, sie könnte schon heute überschritten werden. Und was passiert dann?

Erst einmal nichts. Die Cloppenburger Kreisverwaltung hat betont, dass man mit der derzeitigen Allgemeinverfügung den dann notwendigen Maßnahmen vorgegriffen habe – zu einem Zeitpunkt, als die Inzidenzzahl noch unter 30 lag. Und dabei soll‘s auch vorerst bleiben, unabhängig davon, ob die Sieben-Tages-Inzidenz die Grenze überschreitet oder nicht. So oder so: Bis zum 30.09.2020 bleiben Sportplätze und Turnhallen dicht. Sportvereine müssen ihren Spiel- und Trainingsbetrieb einstellen.

Die Entwicklung in der Stadt Löningen als Hotspot im Kreisgebiet nahm ihren Anfang mit einer Infektionskette bei der 1. Herrenmannschaft des SV Evenkamp. Coronafälle wurden in anderen Sportvereinen gemeldet – unter anderem auch bei den Handballern des TV Cloppenburg. Der Landkreis reagiert damit auf den Sport als einen der Schwerpunkte bei den Neuinfektionen.

Dass der Landkreis genau dort ansetzt, ist nach Angaben der Kreisverwaltung mit dem Sozialministerium abgesprochen. Es soll also ein gezieltes Instrument sein, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus‘ einzudämmen.

Gelten Landkreise, die den Schwellenwert von 50 überschreiten, als Risikogebiet? Nein. Denn in Deutschland werden überhaupt keine offiziellen Risikogebiete ausgewiesen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage von OM online bestätigte, werden lediglich Risikogebiete im Ausland als Reise- und Sicherheitshinweis veröffentlicht. Die Einstufung erfolgt durch die Bundesministerien für Gesundheit, Inneres und das Auswärtige Amt. Die Liste der Länder und Regionen werde nur durch das RKI publiziert – auf die Entscheidungen habe man keinen Einfluss, erklärte eine Sprecherin gegenüber OM online. Ein Bewertungskriterium für die Ministerien ist dabei vor allem die Sieben-Tages-Inzidenz. Wenn die über 50 liegt, erfolgt die Einstufung als Risikogebiet. Eine inländische Bewertung wird durch die Ministerien allerdings nicht vorgenommen. Dementsprechend sucht man vergebens nach einer Liste mit deutschen Risikogebieten.

Einzige Ausnahme ist das Land Schleswig-Holstein. Dort greift das Gesundheitsministerium auf die Daten des RKI zurück. Reisende und Urlauber, die ihren Wohnsitz in einem Landkreis mit einer Sieben-Tages-Inzidenz über 50 haben, unterliegen dort einer Meldepflicht beim Gesundheitsamt und einer 14-tägigen Quarantäne. Aktuell weist das Land Schleswig-Holstein die Stadt Würzburg und den Landkreis Garmisch-Patenkirchen offiziell als „Risikogebiet“ aus. In anderen Bundesländern gilt zwar auch ein Beherbergungsverbot für Deutsche, deren Landkreis den Grenzwert bei der Sieben-Tages-Inzidenz überschritten hat, von einer Bezeichnung als Risikogebiet wird allerdings abgesehen.


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Bisher drei Corona-Fälle im Altenheim
St.-Elisabeth-Stift Lastrup erlässt Besuchsverbot / Noch keine Testergebnisse für Löninger Kindergarten

Die Heimleitung hatte schnell reagiert und Besuche noch am Sonntagnachmittag ausgesetzt. Wie schon im Frühjahr, können Geschenke im Foyer abgegeben werden.

von Georg Meyer


Für Guido Suing sind es hektische Tage. Der Geschäftsführer des St.-Elisabeth-Stifts in Lastrup beantwortet derzeit viele Fragen besorgter Angehöriger. Seit Sonntagnachmittag besteht für das Altenheim ein Besuchsverbot. Bei zwei Bewohnern und einem Mitarbeiter wurde das Coronavirus festgestellt.

Am Sonntag hatte das erste positive Testergebnis vorgelegen. Daraufhin habe man sofort mit dem Besuchsverbot bis zum 28.09.2020 reagiert, berichtet Suing. Es gilt aber nur für das Altenpflegeheim. „Das Psychiatrische Pflegeheim und das Wohnheim sind davon nicht betroffen.“ Am Montag und Dienstag wurden alle Mitarbeiter und Bewohner getestet.

Nach Auswertung der 130 Tests lagen zwei weitere positive Ergebnisse vor. Gestern wurden die Tests noch einmal wiederholt. Am Wochenende sollen die Ergebnisse vorliegen. „Danach werden wir gemeinsam mit dem Gesundheitsamt das weitere Vorgehen besprechen“, sagt Suing. Die infizierten Bewohner befinden sich in Zimmerquarantäne, seien aber ohne Symptome.

Ebenfalls geschlossen ist der Hand-in-Hand Kindergarten in Kneheim. Das bestätigte Josef Pahls, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, im Lastruper Rathaus. In der eingruppigen Kita hatte es einen Corona-Fall gegeben. „Uns blieb deshalb keine andere Wahl“, erklärte Pahls. Eine Mitarbeiterin hat sich infiziert. Bei einer weiteren steht das Ergebnis noch aus. Die Kinder befinden sich jetzt in häuslicher Quarantäne. „Wir haben die Eltern angerufen und ihnen die Situation geschildert. Sie haben durchweg Verständnis gezeigt“, lobte Pahls. In den übrigen Lastruper Bildungs- und Betreuungseinrichtungen kann der Betrieb bislang uneingeschränkt weiterlaufen. Auch das Schwimmbadbleibt geöffnet.

In der Stadt Löningen ist die Zahl der Infizierten erneut um fünf Fälle gestiegen. In den Kindergärten St. Vitus und St. Marien sowie der Realschule wurde jeweils eine Person positiv getestet. Das Gesundheitsamt befindet sich in der Kontaktermittlung, teilt der Landkreis mit. Die Kontaktpersonen in den Kitas sowie die Kohorten der Infizierten in den Schulen werden in Quarantäne gesetzt.

Während Bewohner des Landkreises wegen der steigenden Fallzahlen außerhalb der Kreisgrenzen inzwischen nicht mehr gern gesehene Gäste sind (MT berichtete), lassen sich Urlauber aus anderen Regionen offenbar noch nicht von einem Besuch abschrecken. „Wir haben bislang keine Stornierungenerhalten“, bestätigt Wilhelm Koormann, Geschäftsführer der Hasetal-Touristik in Löningen. „Sie kommen alle.“ Ohnehin seien die meisten Angebote inzwischen beendet. „Die Fahrradtouren sind durch. Aber es wird noch gewandert“, berichtet Koormann. Das aber unter strikter Einhaltung der Hygieneregeln.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 18.09.2020.


zum zweiten Bild:
Info am Kindergarten in Kneheim: In der Gemeinde Lastrup liegen die Infektionszahlen deutlich unter denen in der Stadt Löningen. Die meisten Einrichtungen arbeiten – bisher – normal weiter. Foto: Meyer.


zur Datei:
2. Allgemeinverfügung des Landkreises Cloppenburg zur Eindämmung der Atemwegserkrankung „Covid-19" durch den Corona-Viruserre-ger SARS-CoV-2 durch Verbot der Ausübung von Freizeit- und Vereinssport auf öffent-lichen und privaten Sportanlagen sowie in öffentlichen und privaten Sport-, Turn-, und Schwimmhallen vom 17.09.2020, als pdf-Dokument.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 18.09.2020.

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