Presseberichte

„Vollständiger Lockdown nicht nötig“

Gewerbeverein-Vorsitzender Sibbel kritisiert Forderung von Kauffrau nach Schul- und Kita-Schließungen

Nach dem Massentest von 340 Schüler von Realschule und Gymnasium folgen in der kommenden Woche Corona-Tests aller Mitarbeiter der stationären Senioreneinrichtungen im Alten Amt Löningen.

von Willi Siemer


Mit der kompletten Oberstufe und den beiden achten Klassen, die am Mittwoch nicht getestet werden konnten, weil das Gesundheitsamt nicht Teststäbchen in ausreichender Menge mitgebracht hatte, ist gestern der Massentest von 340 Schülern des Gymnasiums und der Realschule abgeschlossen worden.

In einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung begründet der Leiter des Gesundheitsamtes die fehlenden Röhrchen damit, dass aufgrund ungeplanter zusätzlich erfolgter Abstriche am Tag zuvor dem Gesundheitsamt Teströhrchen fehlten. Leider sei es dem Amt erst am Abend möglich gewesen, wieder einen ausreichenden Materialvorrat zu erhalten.

Auf Unverständnis und viel Kritik ist in der Öffentlichkeit und den sozialen Medien, die in mehreren Stellungnahmen aufgestellte Forderung der Betreiberin eines Modegeschäfts für einen kompletten Lockdown gestoßen. „Kindergärten, Schulen, alle müssten mal zwei Wochen schließen“,hatte sie erklärt. Eine solche Aussage könne er persönlich nicht vertreten, reagiert der Vorsitzende des Gewerbevereins, Ansgar Sibbel.

Natürlich sei die Situation in Löningen mit aktuell 84 Infizierten und 304 Personen in Quarantäne ernst. Ziel aller Beteiligten müsse es aber doch sein, so viel öffentliches Leben wie verantwortbar aufrechtzuerhalten, um die Umsatzrückgänge bei allen Beteiligten so gering wie möglich zu halten. Was ein Lockdown und eine Schließung aller nicht lebensnotwendigen Geschäfte bedeute, hätten doch alle vor wenigen Monaten schmerzvoll erfahren müssen.

Gerade eine generelle Schließung von Kindergärten und Schulen habe doch heftige Konsequenzen, denn dann müssten hunderte Beschäftigte zu Hause bleiben, damit die jüngeren Kinder versorgt würden. Neben den erneuten finanziellen Konsequenzen für die Familien fehlten sie dann auch in den Firmen, was den Umsatz senke. Das könne doch niemand wollen, so Sibbel.

Auch die Kreisverwaltung beurteilt die Lage anders als die Löninger Kauffrau. „Für den Kreis Cloppenburg ist ein vollständiger Lockdown in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft aktuell nicht erforderlich“, erklärt Kreissprecher Frank Beumker.

Er verweist auf eine Fülle von zielgerichteten Schritten wie Schulschließungen, die Schließung aller öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie Sporthallen im gesamten Landkreis für den Vereins- und Freizeitsport und die Begrenzung auf höchstens sechs Personen in allen privaten Räumlichkeiten. Unternehmen sollten in der jetzigen Situation nach Möglichkeit nicht geschlossen werden, betont Beumker.

Auf die rasant wachsende Zahl der Erkrankten hatte die St.-Franziskus-Stiftung mit seinen beiden Altenzentren in Löningen und Lindern bereits Anfang vergangener Woche reagiert und die Einrichtungen für Besucher geschlossen. Das bedeutet, dass Kontakt zu den Angehörigen nur durch Telefon und über Bild-Telefonate sowie durch Treffen mit Abstand am Gartenzaun möglich ist. „Wir bewerten die Lage und ziehen die notwendigen Konsequenzen selbst“, betont Geschäftsführer Eberhard Ficker. Die Situation sei zum Beispiel im Nordkreis eine völlig andere, daher sei es wichtig, dass so punktuell wie möglich auf die Situation reagiert werde.

In der kommenden Woche findet im Alten Amt Löningen ein weiterer Massentest statt, Dann werden alle Mitarbeiter der stationären Altenpflegeeinrichtungen auf Corona getestet. Einen Termin konnte die Kreisverwaltung gestern noch nicht nennen.


zum Bild:
Lange Schlange: Nicht mehr wie gestern im Außengelände des Sportzentrums, sondern in der großen Sporthalle wurden die Schüler des Löninger Copernicus-Gymnasiums gestern Vormittag in einem Massentest auf Corona untersucht. Nach der Oberstufe (Foto) kamen auch die Mädchen und Jungen zweier achter Klassen an die Reihe. Foto: Willi Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 25.09.2020.