Presseberichte

Martina Wittkowski: „Diese Wahl ist keine Formsache“

INTERVIEW - Martina Wittkowski will Kreispfarrerin in Cloppenburg werden

Von Reiner Kramer

Die 56-Jährige arbeitet seit zwölf Jahren als Pfarrerin in Löningen. Wenn sie gewählt würde, müsste sie ihre Gemeinde verlassen.

Frage: Sie sind seit zwölf Jahren in Löningen als Pfarrerin der Trinitatiskirche engagiert. Was hat Sie bewogen, sich nun für die vakanten Stelle des Kreispfarrers zu bewerben?

Wittkowski: Ich lebe und arbeite gerne in Löningen in meiner evangelischen Kirchengemeinde. Vor meiner Zeit hier war ich ja schon 15 Jahre Pfarrerin in Nordenham.

Jetzt nach mehr als 25 Jahren Berufserfahrung in der Gemeinde möchte ich meine Fähigkeiten und Erfahrungen gerne auf der Ebene des Kirchenkreises einbringen. Ich freue mich auf neue Herausforderungen. Mit den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden im Kirchenkreis zusammen möchte ich Kirche der Zukunft gestalten.

Frage: Wie wird diese Wahl vor sich gehen?

Wittkowski: Die Wahl zum Kreispfarramt wird von einem Wahlkollegium vorbereitet. In diesem Wahlkollegium unter Vorsitz des Bischofs unserer Oldenburgischen Kirche, Thomas Adomeit, habe ich mich bereits vorgestellt, und es schlägt mich der Kreissynode zur Wahl vor. Am Samstag bei der Kreissynode in Vechta werde ich über meinen persönlichen Werdegang sprechen und einen Vortrag zum Thema „Evangelisch im Oldenburger Münsterland – Perspektiven für den Kirchenkreis“ halten. Danach findet eine Aussprache statt und dann eine Wahl in geheimer Abstimmung.

Frage: Es gibt keine weiteren Bewerber. Ist die Wahl damit reine Formsache?

Wittkowski: Nein, das sehe ich nicht so. Die Kreissynode besteht aus circa 60 gewählten Mitgliedern aus den Kirchengemeinden des Oldenburger Münsterlandes und aus Werken und Einrichtungen. Zwei Drittel dieser Mitglieder sind ehrenamtlich. Und jeder und jede von ihnen kann – in geheimer Wahl – frei entscheiden. Das wird also ein spannender Nachmittag.

Frage: Welche Aufgaben werden auf Sie – ihre Wahl vorausgesetzt – künftig als Kreispfarrerin zukommen?

Wittkowski: Die Aufgabe der Kreispfarrerin ist es, das Leben der 20 evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden im Oldenburger Münsterland zu fördern und zu koordinieren. Das geschieht zum Beispiel bei den Pfarrkonventen, bei Sitzungen kirchlicher Gremien und bei Visitationen. Die Vernetzung von Kirchengemeinden, Diakonie, Kirchenmusik und Jugendarbeit auf Kreisebene ist eine weitere wichtige Aufgabe. Dabei geht es auch um die Entwicklung zukunftsweisender Konzepte. Natürlich gehört die Repräsentanz des Kirchenkreises in der Öffentlichkeit zu den Aufgaben des Kreispfarramtes. Die Kirchengemeinde Löningen werde ich also, falls ich Kreispfarrerin werden, verlassen müssen. Das fällt mir nicht leicht.

Frage: Die evangelische Kirche hat wie die katholische mit Kirchenaustritten zu kämpfen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Chancen der Kirche?

Wittkowski: Die Mitgliedszahlen der evangelischen Kirche im Oldenburger Münsterland sind zur Zeit noch stabil. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass die gesellschaftliche Entwicklung auch bei uns ankommen wird. Wir als Kirche werden kleiner werden. Das müssen wir nüchtern sehen.

Wir sind herausgefordert, neue Wege zu beschreiten, um kirchliches Leben attraktiv zu gestalten. Erste Schritte sind wir schon gegangen. Ich denke zum Beispiel an neue Gottesdienstformen, die an die Lebensthemen der Menschen anknüpfen. Ich denke an digitale Formate wie Videoimpulse. Quelle und Grund aller kirchlichen Arbeit ist der christliche Glaube. Ich bin überzeugt davon, dass der Glaube an die unbedingte Liebe Gottes zu den Menschen auch heute eine enorme Kraft in sich birgt.

Zum Foto: MARTINA WITTKOWSKI BILD: VOLKER WITTKOWSKI

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 08.10.2020