Presseberichte

Mühlenbach fließt noch nicht in die Zukunft

Arbeiten zur weiteren Umgestaltung zur Flusstalaue verzögern sich / Zweiter Abschnitt soll 2022 begonnen werden

Die Arbeiten zur Umgestaltung des Entwässerungsgrabens „Mühlenbach“ in eine Flusstalaue mit neuem Lebensraum für Tiere und Pflanzen nehmen 2021 wieder Fahrt auf.

von Willi Siemer


Das ebenso ehrgeizige wie richtungweisende Projekt der Stadt Löningen mit dem Titel „Der Löninger Mühlenbach fließt in die Zukunft“ verzögert sich.

Es gebe mehrere Gründe, die für die nicht vorhersehbaren Aufschub verantwortlich seien, erläutert Fachbereichsleiterin Hannah Lohe im MT-Gespräch. Sie sorgten dafür, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte und die neue, auf 1500 Meter bereits geschaffene mäandernde neue Aue noch nicht habe angeschlossen werden können und der Mühlenbach noch nicht in die Zukunft fließe.

Zum einen haben sich durch den plötzlichen Tod des Verantwortlichen für das Projekt in der Kreisverwaltung und der notwendigen Einarbeitungszeit des Nachfolgers die Genehmigungsabläufe verzögert.

Zum anderen habe es Probleme gegeben, die notwendigen Arbeiten am Anfang des Projekts in Duderstadt in Höhe der ehemaligen Wassermühle wie geplant zu beginnen. Es habe gute Pläne gegeben, die von einer Sohlrampe in eine Sohlgleite umzugestaltenden Abschnitte direkt an der Brücke in Duderstadt mehr Raum in Richtung Erlenbruch zu geben.

Dies habe sich bei näherer Untersuchung nicht verwirklichen lassen, weil damit mehr Ökologie kaputt gemacht worden wäre, als durch einen breiteren und sich schlängelnden Bachlauf an dieser Stelle gewonnen worden wäre. Daher bleibe es beim jetzigen Flussbett. Bei den Neuplanungen seien zudem Messfehler mit weiteren sich daraus ergebenden Folgen entdeckt worden, die korrigiert werden müssten.

Die neue Sohlgleit-Planung liege jetzt in der Kreisverwaltung zur Genehmigung vor.

Die Fachbereichsleiterin zeigte sich daher optimistisch, dass das Projekt im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnimmt und nach dem Abschluss der Sohlgleiten-Arbeiten der Durchstich zur neuen Flußtalaue vorgenommen werden könne.

Nachdem bis zum Frühjahr 2017 rund 1,5 Kilometer neuer Bachlauf mit viel Platz in den rund 30 Hektar Fläche der Stadt für Pflanzen und Tiere bereits neu geschaffen worden war, sollen die letzten 500 Meter bis zur Nord-Ost-Tangente in Höhe des Hofes Verhage 2022 einschließlich eines geplanten großen Regenrückhaltebeckens renaturiert werden.

Die Fachbereichsleiterin der Stadtverwaltung hatte das Projekt von ihrem Vorgänger Hermann Dirks geerbt, der es nicht nur begleitet hatte, sondern der die Umgestaltung des zu einem Entwässerungsgraben verkommenen Bachlaufs zu einer ökologisch wertvollen Flusstalaue als Spiritus Rector (treibende Kraft) zusammen mit Gleichgesinnten gestaltet hatte.

Neben wertvollen ökologischem Lebensraum für Pflanzen und Tiere muss sich die Stadt in den kommenden Jahrzehnten keine Gedanken mehr um die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen für die Versiegelung durch Bauten und Pflasterungen in Bau- und Gewerbegebieten machen.

Denn anders als zum Beispiel gewöhnliche Aufforstungen, die im Verhältnis 1: 1 gerechnet werden, hat Dirks dank seiner Ideen und seines Einsatzes bei den zuständigen Behörden für das Mühlenbach-Projekt ein Verhältnis von 4: 1 erreichen können.

Damit muss für vier Hektar Versiegelung nur ein Hektar städtischer Fläche in dem Bereich eingesetzt werden. Auch in den Nachbarkommunen gibt es Überlegungen, diese Ausgleichsvariante ebenfalls zu nutzen.


zum oberen Bild:
Auf dem Weg zum wertvollen ökologischen Lebensraum: Während der „alte“ Mühlenbach nur links und rechts der Baumreihe in der Mitte zu sehen ist, ist darunter der „neue“ Mühlenbach mit seinem mäandernden Verlauf mit ungleich mehr Auslauf schon erkennbar. 2022 soll der zweite Abschnitt angepackt werden. Foto: Henning Knobbe.

zum zweiten Bild:
Pläne liegen zur Genehmigung vor: Die Umgestaltung der Sohlrampe zu einer Sohlgleite im Mühlenbach ab der Brücke in Duderstadt kann wahrscheinlich 2021 umgesetzt werden. Foto: Willi Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 25.11.2020.