Presseberichte

Wimberg erwartet sechs Monate Impfzeit

Landrat im MT-Interview: Personelle und räumliche Kapazitäten stehen ab Mitte Dezember zur Verfügung

Im Interview geht Landrat Johann Wimberg davon aus, dass die Impfaktion rund sechs Monate dauern wird. Mehrere Impfstraßen werden eingerichtet.


von Julius Höffmann


Die Kreisverwaltung favorisiert die Jugendherberge als Standort für das Impfzentrum im Landkreis Cloppenburg. Warum erscheint Ihnen das Gebäude als ideale Lösung?
Das Gebäude erfüllt die baulichen Voraussetzungen und ist barrierefrei zu erreichen. Es ist nicht zu groß, die Wege innerhalb des Gebäudes sind so angelegt, dass man alles gut organisieren kann. Vor allem aber steht es sofort zur Verfügung. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, dass ein sehr gut geeignetes Gebäudes über einen längeren Zeitraum nutzbar ist. Wir planen, mehrere, parallele Impfstraßen einzurichten, um möglichst zügig Impfungen durchführen zu können. Dafür bieten die Räumlichkeiten der Jugendherberge gute Bedingungen. Entscheidend auch die Infrastruktur insgesamt: Man darf nicht vergessen, dass zum Beispiel ausreichend angemessene sanitäre Anlagen vorhanden sein müssen. Das wäre bei einer leerstehenden Halle in den meisten Fällen nicht gegeben. Insofern ist die Jugendherberge optimal und ein Glücksfall. Die finale Entscheidung über die Nutzung des Standortes erfolgt durch das Land Niedersachsen in den kommenden Tagen.

Ist denn die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben? Werden Busse eingesetzt?
Egal, wo im Flächenlandkreis Cloppenburg das Impfzentrum entstünde: Die Mehrzahl der Menschen müsste fahren. Daher ist die Lage der Jugendherberge im Zentrum des Landkreises ideal. Wir werden unsere Angebote über Moobil+ hinaus anpassen und planen, dass das Impfzentrum von jedem Grundzentrum des Landkreises aus mit dem Bus erreicht werden kann. Da wir wissen, wie viele Menschen sonst den Öffentlichen Personennahverkehr für Arztbesuche nutzen, gehen wir nicht davon aus, dass viele mit dem Bus fahren werden...

...das bedeutet, viele werden mit dem Privatwagen anreisen. Parkmöglichkeiten sind genügend vorhanden?
Das Geschehen insgesamt wird organisiert mit der Vergabe von Terminen. Nicht zu vergessen ist auch der mobile Impfservice, der in die Einrichtungen wie Altenpflegeheimen hineingeht. Das Ganze wird also sehr koordiniert laufen. Ein spontanes Anreisen einer unbekannten Anzahl von Menschen und Fahrzeugen wird es nicht geben. Insofern dürften die Parkmöglichkeiten ausreichen.

Für die Jugendherberge heißt das, dass es im nächsten Jahr keine Übernachtungsgäste geben kann...
...wir gehen zunächst einmal von sechs Monaten aus. Ob es mehr Zeit in Anspruch nimmt, wird sich zeigen. Es ist ja auch die Frage, wie viel Impfstoff überhaupt von Anfang an zur Verfügung steht. Wir müssen in den ersten Monaten Erfahrungen sammeln und die Situation immer neu bewerten.

Sie gehen angesichts der laufenden Vorbereitungen davon aus, dass der Impfstoff mit Beginn des neuen Jahres auch tatsächlich zur Verfügung steht...
Ja, spätestens mit Anfang des Jahres. Es ist nach wie vor die Rede davon, dass es noch im Dezember losgehen soll. Das ist ambitioniert. Wir glauben aber, dass wir selbst in der Lage sind, die räumlichen und personellen Kapazitäten dafür bereit zu stellen. Wir gehen heute davon aus, dass wir um den 15. Dezember herum startklar sein werden.

Sie kalkulieren sechs Monate: Wie viele Menschen müssten dann täglich geimpft werden? Im Landkreis Cloppenburg leben immerhin rund 170000 Bürger(-innen), also einige hundert pro Tag?
Im Moment ist das schwer zu sagen. Wir gehen natürlich von einer gewissen Zahl möglicher Impfungen aus und berechnen, wie viele Personen täglich geimpft werden könnten. Man geht bundesweit davon aus, dass sich etwa 60 bis 70 Prozent impfen lassen möchten. Wenn es so käme, wäre es eine ausreichende Quote,um eine deutliche Wirkung zu erreichen. Ein erheblicher Teil wird ja auch außerhalb des Zentrums geimpft. Und: Es sind zwei Impfungen notwendig. Je nach Impfstoff folgt nach drei bis vier Wochen der zweite Termin.

Wie viel medizinisches Personal kalkulieren Sie? Und woher sollen die Fachkräfte kommen?
Ja, das ist noch eine Frage, die zu klären ist. Es muss auf jeden Fall ein verantwortlicher Arzt vor Ort sein. Die Vorgaben des Landes sehen Teams aus Ärzten, Impfpersonal und Verwaltungskräften vor. Dies organisieren wir derzeit in Zusammenarbeit mit der kassenärztliche Vereinigung und Hilfsorganisationen wie dem DRK.

Das heißt also, den Stich selbst muss nicht zwangsläufig der Arzt setzen?
Die Ärzte führen die Informationsgespräche, die Impfung selbst erfolgt dann durch das Impfpersonal.

Woher kommt das Personal?
Wir arbeiten mit dem Roten Kreuz zusammen. Nach wie vor werden wir zusätzlich von Soldaten unterstützt, die auch im Impfzentrum zum Einsatz kommen werden.

Woher weiß ich, wann ich geimpft werden kann? Meldet sich die Behörde oder muss ich selbst aktiv werden?
Eine bundesweite Impfstrategie soll noch herausgegeben werden, die den allgemeinen Ablauf beschreibt und eine Priorisierung vornimmt. Also, wer zuerst geimpft werden soll. Grundsätzlich geht es nach Terminvergabe, die nach derzeitigem Stand durch das Land Niedersachsen erfolgt.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 03.12.2020.