Presseberichte

Bunner surfen auf der höchsten Welle

Grundschule ist digital deutlich besser aufgestellt als manche Großstadtschule / PC auch für Einkommensschwache

Warum der Fortschritt an vielen Schulen in Deutschland noch immer eine Schnecke ist, können die Lehrerinnen der Grundschule Bunnen nicht verstehen.

von Georg Meyer


In einer Kölner Schule müssen Schüler ihre Tablets an die Decke halten, wenn sie ein Signal empfangen wollen. In Berlin enden viele Internetverbindungen bereits im Sekretariat. Im kleinen Bunnen dagegen ist freies W-LAN der Normalfall. „Und zwar in der gesamten Grundschule“, betont Lehrerin Silke Brinker.

Bei der Digitalisierung hinken die Schulen in Deutschland - wie überhaupt das gesamte Land - noch immer hinterher. Auch die coronabedingten Schulschließungen im Frühjahr haben daran nichts Grundlegendes geändert. Vor dem Hintergrund des neuerlichen Lockdowns weist der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, auf die Versäumnisse hin. „Wir stehen vor den gleichen Problemen wie im März: Die Kinder, die mit der Offenhaltung der Schulen besonders unterstützt werden sollten, sind jetzt wieder die, die zu Hause kein eigenes Zimmer, geschweige denn ein eigenes digitales Endgerät haben“, sagte er gegenüber dem ZDF.

Dass das nicht zwingend so sein muss, haben die Bunner in diesem Jahr gezeigt. Nachdem sie sich einen mobilen Laptopwagen angeschafft hatten, der den digitalen Unterricht in allen Klassen ermöglicht, lösten sie ihren Computerraum auf. „Die Rechner darin waren zwar nicht mehr neu, aber funktionstüchtig“, erzählt Silke Brinker. Ein Essener PC-Dienstleister erklärte sich bereit, die Geräte gratis zu überarbeiten und eine aktuelle Software aufzuspielen. Anschließend verkaufte die Schule sie für 25 Euro pro Stück an Schülerfamilien, die sich sonst keinen Computer hätten leisten können. „Die Geräte funktionieren einwandfrei und die Kinder können wie alle anderen auch von zu Hause lernen“, berichtet Brinker stolz.

Ihre Scheu vor neuen Lehrmethoden hatten die Bunner Lehrerinnen bereit vor fünf Jahren abgelegt. Damals kauften sie - mit finanzieller Unterstützung aus der Elternschaft - das erste Smartboard. 2017 folgte Board Nummer zwei - diesmal öffnete die Stadt Löningen ihre Schatulle. Für die Dritt- und Viertklässler war damit die Kreidezeit vorbei. „Die Tafeln wurden dort installiert, weil wir die Kinder auch digital auf die weiterführenden Schulen vorbereiten wollen“, erklärt Silke Brinker. Vergangenes Jahr erhielten die ABC-Schützen vom Copernicus-Gymnasium ein gebrauchtes Smartboard. Die zweite Klasse soll 2021 nachziehen. „Im Rahmen des Digitalpaktes hat die Stadt uns ein neues Gerät angekündigt“, freut sich Brinker.

Die 60-Jährige schwört inzwischen auf die Arbeit mit den High-Tech Tafeln. „Das Lernen mit ihnen macht viel mehr Spaß“. Ohne schnelles Internet wäre der allerdings nicht halb so groß. Wieder half der Schulträger in Person von Ulrich Keil. „Die Stadt hat uns sehr schnell Geld für einen einen Glasfaserzugang zur Verfügung gestellt“, lobt die Pädagogin. Hinzu kam der besagte Laptopwagen mitsamt 20 Rechnern. Der Schulförderverein steuerte zusätzlich 20 Tablets bei. „Bei 65 Kindern ist das keine schlechte Quote“.

Für die Schülerinnen und Schüler ist der Umgang mit den Geräten inzwischen ganz normal. Sie nutzen sie zum Üben und für die Recherche. Alle Schüler haben einen eigenen Zugang zu den Lernprogrammen. „Wir sind dank ihnen in der Lage, individuell mit jedem Schüler zu arbeiten“, sagt Brinker. Und das helfe jetzt auch in der Coronakrise.

Auf ihre digitalen Möglichkeiten möchten die Bunner Lehrerinnen heute nicht mehr verzichten. Am besten genutzt würden sie natürlich in der Schule selbst, findet Silke Brinker. Den Präsenzunterricht ersetzen könne reines E-Learning nämlich nicht. „Die sozialen Kontakte sind für die Kinder viel zu wichtig“. Die Lehrerin hofft auf ein baldiges Ende der Maßnahmen. Kürzlich hörte sie mit, als sich zwei Kinder einer anderen Schule über die Zeit vor Corona unterhielten. „Als das eine sagte, früher hätten alle gleichzeitig Pause gehabt, lief es mir kalt den Rücken runter.“


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 17.12.2020.


zum zweiten Bild:
Unterricht mit dem Laptop: In Bunnen ist das für die Kinder längst normal. Foto: Brinker.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 17.12.2020.