Presseberichte

Ein Klassiker unter den Kinos kämpft

Auch Lilo-Filmtheater in Löningen leidet unter dem Lockdown – Wird Bond zum Retter?

von Steffen Szepanski


Es gibt Kinos, in denen laufen einfach Filme. Und es gibt Kinos, über die man eigentlich selbst einen Film drehen müsste. Das Lilo-Service-Filmtheater ist so ein Kino, das durchaus das Format eines „Hauptdarstellers“ hat. Der kleine Familienbetrieb wirkt in Zeiten der großen Kinoketten wie ein Anachronismus, behauptet sich aber standhaft selbst in Corona-Zeiten. Und wie ein guter Filmschauspieler bekommt es immer wieder Preise. Zwar nicht den Oscar, aber zum Beispiel den Nordmedia-Kinoprogrammpreis 2020. Schließlich haben die Lilo, die Lichtspiele Löningen, wie es sich für ein besonderes Kino gehört auch immer wieder besondere Filme im Programm.

Besondere Filme

„Love Sarah“ ist so ein Film, den die Betreiberinnen Anna und Daniela Willen gerne gezeigt hätten. Vielleicht in Zusammenarbeit mit einer Bäckerei, schließlich dreht sich im Film, dessen Titelfigur ungewöhnlicherweise gleich zu Beginn stirbt, vieles um gebackene Leckereien.

Apropos Leckereien: Im November hatten Mutter Anna und Tochter Daniela noch Popcorn und Nachos sowie Gutscheine verkauft, um zumindest ein paar Einnahmen zu haben und den Lilo-Fans etwas Kino-Gefühl zu Hause zu ermöglichen. „Aber jetzt darf ja niemand mehr ins Foyer, und im Internet ist das Interesse nicht groß“, sagt Daniela Willen, die das Popcorn und andere Leckereien für das Kino einkauft.

Ausgehungerte Kinofans

Aber man kann ja auch im übertragenen Sinne hungrig sein. Darauf setzt Daniela Willen, deren Oma das Kino gegründet hat, für die Zeit, in der Kinobesuche wieder erlaubt sind. Sie rechnet damit, dass viele Leute wegen des langen Verzichts auf die große Leinwand „ausgehungert ins Kino stürmen werden“. Da ist Mutter Anna doch wesentlich pessimistischer. „Viele Filme, die eigentlich im Kino laufen sollten, kann man jetzt streamen. Da werden sich viele Leute dran gewöhnen und dann gar keinen Drang mehr verspüren, ins Kino zu gehen“, befürchtet die 80-Jährige.

Was nicht heißt, dass Anna Willen keine Hoffnung mehr hat. Sie setzt auf einen Mann, der immerhin schon unzählige Male die ganze Welt gerettet hat. Natürlich im Film: Sein Name ist Bond, James Bond. Und der kennt sich mit schwierigen Situationen bestens aus. Wenn alles aussichtslos erscheint, läuft er erst zur Bestform auf. Genau so einen braucht es jetzt. „Wenn wir wieder öffnen dürfen und dann endlich der neue Bond-Film anläuft, dessen Start schon dreimal verschoben worden ist, könnte das helfen“, sagt Anna Willen.

Bedienung am Platz

Helfen könnte auch, dass die Lichtspiele Löningen, die es schon 62 Jahre lang gibt, barrierefrei sind und einen besonderen Service bieten: Bedienung am Platz, selbst während des Films. Und außerdem natürlich diesen besonderen Charme, dieses „Nicht-Glattgebügelte“ – es ist einfach ein Kino mit Charakter. Unzählige Menschen verbinden Kindheitserinnerungen mit dem Filmtheater.

Hoffnung bleibt Das macht Hoffnung. Hoffnung auf ein Happy End, wie es schon so viele auf der Leinwand in den Lichtspielen Löningen gegeben hat. Auch ein Film über das Lilo-Kino müsste natürlich ein Happy End haben. Zu viel Herzblut ist in das Filmtheater in Löningen geflossen, als dass es in der Corona-Pandemie ausbluten dürfte. Ein Happy End im realen Leben wäre dann natürlich ein Ende ohne Ende. Noch mal 62 Jahre Lilo müssten doch drin sein . . .


zum oberen Bild:
Bericht der Nordwest-Zeitung vom 20.01.2021.

zum zweiten Bild:
Klein, aber fein: Das Lilo in Löningen hat einiges zu bieten, was es in den großen Kinos nicht mehr gibt. Foto: Daniela Willen.

zum dritten Bild:
Leere Reihen im Inneren: Familie Willen hofft, bald wieder Gäste empfangen zu können. Foto: Daniela Willen.


Quelle:
Bericht der Nordwest-Zeitung vom 20.01.2021.