Presseberichte

„Zurzeit ist nur das Kerngeschäft für uns möglich“

Wenig Abwechslung für Grundschüler möglich / Bisher ein Corona- Fall an der Löninger Gelbrink-Grundschule

Der strikten Gruppentrennung in der Grundschule auch in Löningen fällt seit Monaten die Nachmittagsbetreuung zum Opfer. Derzeit endet für alle die Schule um 13 Uhr.

von Willi Siemer


Den wichtigsten Auftrag, den eine Grundschule hat, das Vermitteln der Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen, sieht Löningens Grundschulrektorin Andrea Schüler insgesamt trotz der zeitlichen Defizite der letzten Monate immer noch auf einem guten Weg. Natürlich hätten die Lehrpläne seit inzwischen fast einem Jahr nicht so umgesetzt werden können, wie es ohne die Folgen der Corona-Einschränkungen gemacht worden wäre. „Es ist aber auch nicht so, dass wir ein halbes Jahr Defizit vor uns herschieben“, betont sie. Der bis jetzt noch mögliche Wechselunterricht mit einem Tag Schule und einem Tag Lernern zu Hause hat Schlimmeres verhindert, denn so werde der neue Buchstabe oder die Rechenart regelmäßig genutzt und präge sich ein.

Als angenehm an der von 340 Mädchen und Jungen in jeweils vier Klassen pro Jahrgang besuchten Schule empfänden die Pädagogen die Halbierung der Klassen durch das Szenario B. Die Gruppen von zehn bis zwölf Schülern kämen vor allem den Kindern zugute, die etwas mehr Betreuung bedürften.

Durch diese Umstände sei mehr Förderung möglich. Ein Anliegen der Schule sei dabei, dass gerade diese Kinder auch in den Genuss der Betreuung kämen, dort gebe es weitere Gelegenheit, sie in kleinen Gruppen zu fördern.

Sie bedauert aber, dass „zurzeit eben nur das Kerngeschäft möglich ist. All das, was Schulleben ausmacht, was nicht nur die Mädchen und Jungen, sondern auch die Pädagoginnen und Pädagogen als spannend, schön und abwechslungsreich empfinden, fällt aus oder ist nicht möglich“, erläutert sie im MT-Gespräch. So hätten die Kinder des ersten und zweiten Schuljahrs außer dem üblichen Alltag noch nichts erlebt.

Es habe kein sich großer Beliebtheit erfreuendes Weihnachtsturnen stattgefunden, die Schüler der beiden jüngeren Jahrgänge hätten noch keinen Ausflug erlebt, nicht die Weihnachtstheateraufführung gesehen oder sich in den Wettbewerben der Bundesjugendspiele gemessen.

Selbst ein so schlichtes Vergnügen wie Singen oder Sport sei seit Monaten nicht möglich.

Generell lasse sich sagen, dass vor allem die Mädchen und Jungen in Familien mit weniger Struktur und weiteren Problemen zu den Corona-Verlierern gehörten, als die, die zu Hause gefördert würden und mit denen sich die Eltern hinsetzten und nochmal Lesen übten und einen Blick auf die Hausaufgaben hätten.

Zufrieden zeigt sich die Rektorin mit der bisherigen Corona-Fall-Bilanz. Bisher sei erst ein Junge an Corona erkrankt gewesen, der aber keinen seiner Mitschüler und Lehrer angesteckt habe, wie die sofort verhängte zehntägige Quarantäne dieser Gruppe anschließend zeigen sollte. Hier habe sich das Lüftungskonzept mit dem Öffnen der Fenster und Türen als erfolgreich erwiesen.

Bewährt habe sich dabei vor allem das umfangreiche Konzept, das so wenig wie mögliche Berührungs- und Begegnungspunkte zwischen allen Beteiligten vorsehe. So gebe es klassenweise Treffpunkte vor Schulbeginn, um zehn Minuten versetzter Unterrichtsbeginn für die beiden älteren Jahrgänge, klar geregelte Wege in der Schule und acht ausschließlich zu nutzende Bereiche auf dem Schulhof in der Pause. Da diese Vormittagstrennung nachmittags beim Ganztagsangebot bis 15.30 Uhr nicht möglich sei, ende die Schule für alle grundsätzlich schon um 13 Uhr.

Zu all diesen zusätzlich zu lösenden Aufgaben komme ein vergleichsweise starker Wandel in der Schülerschaft. Während die 2015 nach Löningen gekommenen Flüchtlingsfamilien beispielsweise die weitere Entwicklung der Kinder vorangetrieben hätten, seien die Fluktuation und alle damit für die Kinder verbundenen Probleme bei Familien aus Osteuropa in der Fleischindustrie schwierig.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 21.01.2021.

zum zweiten Bild:
Nur Kerngeschäft: Lesen, Schreiben und Rechnen stehen auch bei den Mädchen und Jungen der von Andrea Bucchioni unterrichteten zweiten Klasse der Gelbrink-Schule Löningen nur auf dem Programm. Aktuell wird das Szenario B angewandt, das heißt, die Schüler sind täglich abwechselnd in der Schule und werden in der halbierten Klasse unterrichtet. Foto: Willi Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 21.01.2021.