Presseberichte

„Winkel“ soll Mittelpunkt des Dorfes bleiben

Unternehmer-Trio ergreift Initiative

Mit einer Art Dorfmodell wollen die Benstruper die Gaststätte Wingbermühle übernehmen und als Dorfmittelpunkt weiter betreiben. Das geht aus einem Schreiben an alle Haushalte hervor. Die Kaufoption gilt bis Mitte 2023.

Von Willi Siemer Benstrup.Mit dem an bestimmte Bedingungen geknüpften Kauf der Gaststätte mit Saalbetrieb Wingbermühle in der Ortsmitte hat ein Benstruper Unternehmer-Trio die Initiative ergriffen, um die Kneipe auch langfristig für die Bewohner als einen der wichtigsten sozialen und kulturellen Mittelpunkte ihres Ortes mithilfe einer Art von „Dorfmodell“ zu erhalten.

Die Benstruper Hermann Thole,Peter Imbusch und Alfred Kessen betonen im MT-Gespräch, dass dies nur der erste Schritt auf einem langen Weg zu einer möglichen Übernahme des Gaststättenbetriebs durch das Dorf und seine Bewohner sei. Viele weitere Schritte und Anstrengungen müssten gemeinsam unternommen werden, um „Winkel“, wie die Gaststätte meist genannt wird, zu erhalten.

Johanna Wingbermühle, zumeist Hanni gerufen, die Betreiberin und gute Seele, könne aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters den Betrieb der nicht nur bei den Dorfbewohnern beliebten Kneipe zeitlich nicht unbegrenzt mehr fortsetzen, heißt es in einem Informationsschreiben, das an alle Haushalte verschickt wurde.

Da eine Übergabe innerhalb der Familie nicht vorgesehen sei, so die Initiatoren, die Familie aber sehr am weiteren Bestehen im Sinne der Dorfgemeinschaft interessiert sei, habe man sich gemeinsam auf einen fairen Kaufpreis geeinigt.

Bis zum 1. Juni 2023 bestehe laut Vorvertrag die Möglichkeit für die Initiatoren, das Angebot von Johanna Wingbermühle anzunehmen oder wie geplant, an Dritte wie zum Beispiel die Dorfgemeinschaft zu übertragen. Bis dahin müsse ein Finanzierungs- und Betreiberkonzept entwickelt und über die Annahme entschieden sein, so das Trio. In dem Schreiben, das von den drei Kaufleuten und Johanna Wingbermühle unterschrieben worden ist, werden die Bewohner der Dorfgemeinschaft Benstrup-Steinrieden-Madlage über den Vertrag und die damit für das Dorf verbundene Idee informiert.

Die Gaststätte sei ein nicht wegzudenkender, zentraler Bestandteil des Dorflebens und wichtigster Anlaufpunkt für fast alles, was irgendwie mit Geselligkeit und sozialem Miteinander zu tun habe: „Auf diese Lebensqualität im Dorf wollen wir und wir glauben auch alle anderen Benstruper, nicht verzichten“, begründet Hermann Thole die Initiative.Der momentane Lockdown in der Corona-Krise sorge schon mal für einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommen könne, wenn man nicht gemeinsam gegensteuere, so Peter Imbusch.

Alle drei betonen nachdrücklich, dass es ihnen nicht um eine private Investition mit Gewinnabsichten gehe und auch kein Interesse ihrerseits bestehe, die Gaststätte im Rahmen einer normalen Investition zwecksMiete von einem Pächter zu betreiben. Vielmehr soll der Betrieb unter Leitung der Dorfgemeinschaft oder einer von ihr gegründeten Gesellschaft weitergeführt werden, erläutert Alfred Kessen. Sobald wie möglich solle in einer Dorfversammlung die gesamte Angelegenheit, das weitere Vorgehen und auch das notwendige Betreibermodell diskutiert werden.

„Das wird auch den persönlichen und voraussichtlich finanziellen Einsatz von euch allen erfordern. Nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir diese Lebensqualität sichern“,machen die Initiatoren in ihrem Schreiben auf die Voraussetzungen aufmerksam. Nach den bisherigen Untersuchungen seien rund 600000 Euro für Sanierungen und sonstige Kosten notwendig. Die Verantwortlichen hoffen dabei allerdings auf Fördergelder, daher sind Bürgermeister Marcus Willen und die Stadtverwaltung bereits in dieÜberlegungen und Vorbereitungen mit einbezogen worden. „Gemeinsam mit einem Fachbüro und der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung beim Kreis werden Fördertöpfe für dieses tolle Projekt gesucht“, erklärt Bürgermeister Marcus Willen. Wichtig sei auch, ein Betreibermodell zu entwickeln, das in Einklang mit den erhofften Zuschüssen stehe.

Vorbild für die Benstruper Initiative ist das Engagement von Bewohnern einesHoldorfer Ortsteils, die vor Jahren ebenfalls vor der drohenden Schließung ihres Dorfmittelpunkts gestanden haben und das weitere Bestehen mit gemeinsamen Anstrengungen ermöglicht hatten.

Foto: Soll erhalten bleiben: Den ersten Schritt zu einem noch zu erarbeitenden Dorfmodell zum langfristigen Betrieb der Gaststätte mit Saalbetrieb haben die drei Benstruper Unternehmer Hermann Thole, Peter Imbusch und Alfred Kessen getan. Foto: Willi Siemer

Quelle: Münsterländische Tageszeitung v. 06.02.2021