Presseberichte

Wie Schmuck bei Trauerbewältigung hilft

Elisabeth Lis-Moorkamp stellt Erinnerungsstücke an verstorbene Menschen und Tiere her

von Steffen Szepanski


Es ist ein Traum der Menschen, den es wahrscheinlich schon so lange gibt, wie die Menschheit selbst: Die Sehnsucht danach, seine Liebsten nach deren Tod immer bei sich tragen zu können. Nicht nur im Herzen und in der Erinnerung, die bekanntlich verblassen kann. Elisabeth Lis-Moorkamp hat sich bereits als Kind mit diesem Thema beschäftigt. „Ich hatte schon immer viele Tiere und wollte die Erinnerung an sie nach deren Tod mit aller Macht festhalten“, erinnert sich die 32-Jährige. Und das Festhalten war durchaus im eigentlichen Sinne des Wortes gemeint. Sie wollte etwas haben, dass sie in der Hand halten, das sie umklammern kann. Und so bastelte sie sich Erinnerungsstücke, die etwas Greifbares von ihren Lieblingen enthielten. Wie die Schweifhaare von ihrer Haflinger-Stute, die sie mit zehn Jahren von der leeren Koppel des kurz zuvor gestorbenen Pferdes aufsammelte. Ihr hat es geholfen, und vielen anderen hilft es offenbar auch.

Dreiköpfiges Team

Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass die Nachfrage in ihrer „Great Manufaktur“ in Benstrup, wo sie solche Erinnerungsstücke inzwischen hauptberuflich herstellt, enorm ist. So hat Elisabeth Lis-Moorkamp in ihrem Atelier jede Menge zu tun und schon zwei Mitarbeiter. Die Drei stellen Schmuckstücke her, in denen sie Asche, Fell oder Haare von Verstorbenen verarbeiten. Die sind erschwinglich und doch unbezahlbar – wie alles, was den Menschen bei der Trauerbewältigung hilft.

Lange Zeit kümmerte sich die junge Mutter nur um das Andenken toter Tiere, inzwischen stellt sie auch Schmuckstücke in Erinnerung an verstorbene Menschen her. „Seit Kurzem arbeite ich auch mit Humankrematorien zusammen. Die dürfen mir einen kleinen Teil der Asche zur Verfügung stellen. Das musste natürlich wegen des Friedhofzwangs erst einmal alles rechtlich geklärt werden.“

In Baumform gebracht

Die Asche wird gemahlen und zum Beispiel in mehrere Schichten Kunstharz eingearbeitet. Haarsträhnen bringt das kleine Manufaktur-Team in Baum- oder Kreisform und verziert es mit Blattgold. Und Schweifhaar wird zum Teil eines Armbandes. Jedes Teil ist ein Einzelstück und handverarbeitet, oft noch durch ein Foto des Verstorbenen ergänzt. Da sind Feinmotorik und Konzentration gefragt. Dementsprechend lang, drei bis vier Wochen, dauert die Herstellung.

Wobei die Manufaktur längst nicht mehr nur Trauerschmuck anbietet. Viele Tierbesitzer und Eltern ließen sich zu Lebzeiten ihres Tieres oder Kindes Schmuckstücke mit Fell beziehungsweise Haarsträhnen anfertigen, berichtet Lis-Moorkamp. Aber auch Teile der Nabelschnur oder Muttermilch werden – konserviert in Schmuckstücken – beliebter. „Ganz besonders oft wird Muttermilch übrigens bei dem Verlust eines Kindes in der Schwangerschaft, einem sogenannten Sternenkind, gewählt“, erzählt die 32-Jährige.

Beigebracht hat sich Elisabeth Lis-Moorkamp das alles selbst: vom Schleifen über das Mahlen bis zur Gießtechnik. Nach dem Motto „trial and error“ misslang der Autodidaktin zunächst einiges. „Vieles ist in der Tonne gelandet“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Kundenkontakt

Das ist lange her, und längst ist sie auch als Beraterin professionell. Zwar laufen die Aufträge zumeist über die Krematorien, die die Erinnerungsstücke in ihre Produktpalette aufgenommen haben, dennoch wird sie immer wieder von Kunden kontaktiert.

Feingefühl gefragt

„Da ist natürlich ein sensibler Umgang gefragt“, sagt die 32-Jährige. Keine Frage, Elisabeth Lis-Moorkamp braucht in ihrem Beruf Fingerspitzengefühl – im eigentlichen und im übertragenen Sinne.
www.greatmanufaktur.de


Zur Person
Elisabeth Lis-Moorkamp
wurde in Freren (Emsland) geboren und lebt aktuell mit Mann und Kind in Löningen-Benstrup, wo sich im Haus der Familie das Atelier ihrer Manufaktur befindet. Benstrup ist der Heimatort ihres Mannes.

Vor sechs Jahren hatte sich die 32-Jährige mit der Herstellung von Erinnerungsschmuckstücken selbstständig gemacht. Allerdings zunächst nebenberuflich im Kleingewerbe. Bis vor Kurzem hat sie im bekannten Tierkrematorium in Badbergen (Samtgemeinde Artland/ Landkreis Osnabrück) gearbeitet.

Im Krematorium arbeitete sie zunächst als Gebietsleitung und im Aufbau neuer Standorte in Süddeutschland. Nachdem sie ein Kind bekommen hatte, war sie als Produktentwicklerin tätig.

Seit Ende 2020 hat Elisabeth Lis-Moorkamp einen Investor. Sie kann sich nun breiter aufstellen.


zum oberen Bild:
Bericht der Nordwest-Zeitung vom 17.02.2021.

zum zweiten Bild:
Elisabeth Lis-Moorkamp stellt in ihrer „Great Manufaktur“ Erinnerungsschmuck her. Sie verarbeitet zum Beispiel Haarsträhnen, Muttermilch oder Asche. Foto: Privat.

zum dritten Bild:
Der Tree of Life (Baum des Lebens) aus Haaren eines Verstorbenen. Foto: Privat.


Quelle:
Bericht der Nordwest-Zeitung vom 17.02.2021.