Presseberichte

Kinobetreiber fordern Öffnung zu Ostern

Lichtspiele Löningen machen mit Aktion auf schwierige wirtschaftliche Situation der Häuser aufmerksam

von Georg Meyer


Am Sonntagabend waren die Lichtspiele Löningen wie zur Premiere eines Hollywood-Blockbusters erleuchtet. Ein Film wurde aber nicht gezeigt. Mit der Aktion machten Anna und Daniela Willen stattdessen auf die prekäre Lage ihrer Branche aufmerksam.

Zur Teilnahme aufgerufen hatte das Bündnis „Zurück ins Kino“, das von Kinobetreibern gegründet wurde. Seit vier Monaten sind ihre Häuser ebenso wie die Theater in Deutschland geschlossen. Und das schon zum zweiten Mal. Bereits im vergangenen Frühjahr mussten sie dichtmachen. Im Sommer konnten sie dann für kurze Zeit öffnen - allerdings nur mit sehr begrenzter Kapazität. Seit November nun flimmern keine Streifen mehr über die Leinwände. Das wahre Drama spielt sich dafür hinter den Kulissen ab. Denn für viele Betreiber geht es längst um die Existenz.

Auch den Willens macht der coronabedingte Filmriss zu schaffen. „Trotzdem geht es uns einigermaßen gut“, sagt Tochter Daniela. Das Lilo erhielt im vergangenen Jahr eine staatliche Förderung. „Die hat uns wirklich geholfen“, betont die Löningerin. Außerdem müssen sie keine Miete bezahlen. Gleichwohl hat auch ihr Betrieb Schaden erlitten. Die Ticketeinnahmen fehlen und ihre unverkauften Bestände an Popcorn und Chips können sie jetzt wegwerfen. Auch das Bier sei abgelaufen, sagt Willen. „Von diesem einen Jahr fehlen uns sieben Monate.“

Kinobesitzer wie die Willens fordern eine Öffnung zum 25. März. Ob es soweit kommen wird, ist aber alles andere als gewiss. Dabei war die Filmbranche in den vergangenen Krisenmonaten durchaus fleißig. Während Otto Waalkes bald als durchgeknallter Zauberer „Catweazle“ für Spaß sorgen soll, könnte der neue Pferdefilm aus der Ostwind-Reihe wieder junges Publikum in die Säle locken. Das droht den Kinos nämlich dauerhaft an die Streaming-Konkurrenz verloren zu gehen. „Manche Leute haben sich mittlerweile zu Hause ihr eigenes Kino eingerichtet“, weiß Daniela Willen. Sie hofft, dass zumindest die Familien nach dem Lockdown wiederkommen. Gute Filme gebe es jetzt wieder genug, findet auch sie. Zu den Verleihern hatte sie in den vergangenen Monaten nur sporadisch Kontakt. Eine geordenete Jahresvorbereitung sei unter diesen Umständen unmöglich.

Obwohl sie ihn herbeisehnt, ist Daniela Willen vor dem Neustart ein wenig bange. Sie ist weitgehend allein verantwortlich, muss neben der Filmvorführung auch Tickets, Knabbersachen und Getränke verkaufen. Vor allem aber hat sie auf die Einhaltung der Hygienevorschriften zu achten. Trotzdem hängt sie an ihrem Lilo und wird es sicher versuchen.

Dann könnte irgendwann auch der neue Bond in Löningen auf Verbrecherjagd gehen. Er sollte bereits vor einem Jahr starten und wurde schon mehrfach wieder verschoben. Superagent 007 begibt sich darin auf die Suche nach einem verschwundenen Wissenschaftler. Um einen Virologen soll es sich dabei aber nicht handeln.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 02.03.2021.

zum zweiten Bild:
Im Rampenlicht: Bei der Ausleuchtung half ein benachbarter Diskjockey den Willens. Foto: Buschermöhle.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 02.03.2021.