Presseberichte

Willen hofft auf Neubau des Rathauses ab ´23

Bürgermeister offen für Finanzierungsmodelle

Politik muss über Weg zur Gestaltung des Rathauses entscheiden

von Willi Siemer


Die Debatte über den Bau des neuen Löninger Rathauses gewinnt an Fahrt. Das wurde in mehreren Aussagen in den Haushaltsreden in der jüngsten Ratssitzung (MT berichtete) unter anderem von Tom Dobrowolski für die Gruppe Grüne/Linke, von UfL-Fraktionssprecher Jörg Bremersmann und in Aussagen von Bürgermeister Marcus Willen deutlich.

In einem MT-Gespräch zu diesem Thema machte Willen gestern deutlich, dass das Projekt angepackt werden muss. In diesem und im kommenden Jahr stehe der Neubau des Feuerwehrgebäudes im Mittelpunkt, so dass 2023 am bisherigen Standort der Wehr mit dem Neubau des Rathauses begonnen werden könne, hofft Willen. Die Stadt sei dabei auch bei den Verantwortlichen der Polizei im Wort.

Eine geplante gemeinsame Nutzung des neuen Gebäudes bringe viele Synergien. Die damit verbundenen Hoffnungen formulierte Dobrowolski in seiner Haushaltsrede so: „Die Chance auf eine integrierte Polizeistation als dauerhafter zuverlässiger Mieter ist eine nicht unerhebliche Chance zur Mitfinanzierung“.

Willen bekräftigte seine Aussage, dass, wie in etlichen abgeschlossenen und jetzt beginnenden kommunalen Projekten erfolgreich praktiziert, auch beim Neubau die Wertschöpfung hier vor Ort bleiben und örtliche Handwerker eingesetzt werden sollten.

Kostenschätzungen gebe es bisher nicht. Die im Haushalt 2016 eingestellten 3,6 Millionen Euro könnten angesichts der Höhe sicher nicht als erste Schätzung und Bezugsgröße verstanden worden sein, sie seien ohne konkreten Hintergrund eingesetzt worden als deutliches Zeichen, dass man wolle.

Bremersmann sah nach seinen Aussagen in seiner Haushaltsrede schon angesichts der 8,2 Millionen für den Neubau in den Finanzplanungen eine „nicht verlässlich abzusehende Kostensteigerung“ beim Rathaus und hatte sich für ein Überdenken des Beschlusses von 2015 und alternative Planungen ausgesprochen.

In der Ratssitzung hatte sich der Bürgermeister offen gezeigt für Finanzierungsmodelle. Er könne sich auch ein sogenanntes „Public Private Partnership“ vorstellen. Dieses Modell sieht vor, dass ein Investor das Gebäude nach den Vorgaben baut, es langfristig an die Kommune vermietet und die dann nach 20 oder 25 Jahren ins Eigentum der Kommune übergeht.

Er glaube nicht, dass ein „opulenter Ratssaal“ im Neubau benötigt werde, das aus der Corona-Not geborene Tagen im Forum Hasetal gefalle ihm gut. So habe er das Gedühl, dass das Interesse der Bürger und die Teilnahme an Sitzungen am neuen Ort deutlich zugenommen habe.

Die Politik müsse entscheiden, welcher Weg in der optischen Gestaltung des Gebäudes beschritten werden soll. Es gebe die Möglichkeit, gemeinsam Vorstellungen zu entwickeln oder es werde der Weg mit Hilfe eines Architektenwettbewerbs beschritten. Klar sei aber auch, dass, wenn ein architektonisches Highlight gewünscht werde, es dann auch bezahlt werden müsse, so der Bürgermeister. In der Ratssitzung hatte er von einem funktionalen Bau gesprochen, bei dem die Chance bestehe, Löningen etwas von dem zurückzugeben, was in den letzten Jahrzehnten an Gebäuden aus dem Stadtbild verschwunden sei.

„Wir planen keinen Luxus, aber ein funktionales, nachhaltiges und langlebiges Gebäude mit einem eigenen Charakter, das einen geschlossenen Platz mit derzeitigem, dem neuen Rathaus und dem Bahnhof schafft“, formuliert Willen seine Vorstellungen. Dobrowolski hatte sich für eine kostengünstige Lösung ausgesprochen, die gestalterisch zwischen dem kastenförmigen, zweckmäßigen Finanzamt Cloppenburg und dem Löninger alten Bahnhof liege.

In der Frage der Nachnutzung des derzeitigen Verwaltungsgebäudes, das den großen Vorteil habe, mit Fernwärme geheizt zu werden, könne er sich eine Kombination aus der bisherigen und einer kulturellen Nutzung vorstellen. Zu den bisher diskutierten Nutzungsoptionen zählt vor allem das derzeit in der Fußgängerzone beheimatete Kinomuseum.

Der Bürgermeister zeigte sich skeptisch, ob es denn wirklich mehrerer Millionen bedürfe, um das markante, von dem Architekten Werner Zobel entworfene Gebäude, das in den sechziger Jahren eine „revolutionäre Formensprache“ als Rathaus bedeutet habe, zu sanieren.

Das neue Dach, für das 200000 Euro bereitgestellt seien und neue Fenster, die die ungedämmten Alu-Profile ersetzten, wären schon entscheidende Schritte. „Es wäre eine Sünde, das Gebäude abzureißen“, so Willen.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 10.03.2021.

zum zweiten Bild:
Standort für das neue Verwaltungsgebäude: Ab dem Sommer wird mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses zwischen Linderner und Elberger Straße begonnen, sodass die bisherigen Gebäude an der Lindenallee Ende 22 abgerissen werden können. Foto: Willi Siemer.

zum dritten Bild:
Überlegungen für Nachfolgebau: Seit Anfang der sechziger Jahre, als der damalige Neubau ein dickes Ausrufezeichen mit seiner „revolutionären Formensprache“ im Vergleich zum Vorgänger-Standort setzte, ist er Sitz der Löninger Verwaltung. Foto: Willi Siemer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 10.03.2021.