Presseberichte

Weil und Tonne kriegen Post aus Löningen

Erzieherinnen initiieren Eltern-Aktion gegen Entwurf des Kindertagesstättengesetzes


Post aus Löningen sollen bald Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusminister Grant Hendrik Tonne erhalten. Und das nicht zu knapp. Rund 2500 Postkarten haben die Leiterinnen der Kindergärten an die Eltern verteilt. Sie sollen den beiden Landespolitikern ihre Meinung über das neue Kindertagesstättengesetz geigen.

Wie in Löningen starten Einrichtungen im ganzen Land zurzeit Aktionen, um auf ihre Probleme hinzuweisen. Durch das geplante Gesetz, das zurzeit noch als Entwurf vorliegt, sehen sie diese nicht gelöst. Im Gegenteil. „Unsere hohen Standards sind akut gefährdet. Die Eltern wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt“, sagt Maria Övermeyer, Leiterin des Kindergartens in Bunnen.

Die Erzieherinnen kritisieren unter anderem, dass die von ihnen geforderte Erhöhung des Betreuungsschlüssels bisher nicht berücksichtigt wurde. So sollen wie bisher in den Regelgruppen zwei Fachkräfte eingesetzt werden. Diese könnten aber nicht allen Kindern gleichermaßen gerecht werden, sagen die Expertinnen. Die Mitarbeiterinnen hätten gleichwohl hohe Anforderungen bei knappen Ressourcen zu erfüllen. Viele würden das nicht lange mitmachen und sich kurz nach ihrem Ausbildungsende einen anderen Job suchen, sagt Övermann. Eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels bedeute eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, was den Arbeitsplatz wieder attraktiver machen und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne.

Im Gesetzesentwurf fehlt derzeit auch das Recht auf einen integrativen Kindergartenplatz. Eine inklusive Ausrichtung der Angebote der frühkindlichen Bildung ist darin nicht vorgesehen. Das widerspreche dem Inklusionsgedanken, monieren die Pädagoginnen.

Unterstützung erhalten sie von den Trägern der Kindergärten, dem Caritasverband und der Pfarrgemeinde St. Vitus. Pfarrer Bertholt Kerkhoff gab den Erzieherinnen volle Rückendeckung. Die geplanten Regelungen würden den Beruf, der überwiegend von Frauen ausgeübt wird, auch für die dringend darin benötigten Männer nicht attraktiver machen, sagt er.

Die Postkarten sind bereits an einen der beiden Regierungsvertreter voradressiert. Einen Standardtext gibt es aber nicht. „Die Eltern sollen ihre eigene Meinung zum Gesetz niederschreiben“, sagt Maria Övermann. Sie und ihre Kolleginnen hoffen auf eine hohe Beteiligung.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 12.03.2021.

zum zweiten Bild:
Kein Gutes-Kita-Gesetz: Das finden zumindest die Leiterinnen der Löninger Kindergärten und die Vertreter der kirchlichen Träger. Foto: Meyer.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 12.03.2021.