Presseberichte

„Vorteile überwiegen die Risiken“

Grundschullehrerinnen lassen sich impfen
Impfung hat auf den Schulalltag keine Auswirkungen
Hygienemaßnahmen dürften auch nach Corona fortwirken

von Georg Meyer


Die Corona-Schutzimpfungen bür die Mitarbeiter von Grundschulen sind angelaufen. Am vergangenen Samstag war die Lastruper Astrid-Lindgren-Schule an der Reihe. „Wir wurden alle in einem Rutsch geimpft“, bestätigt Schulleiter Josef Niehaus.

32 Lehrerinnen und andere Kräfte - von der Raumpflegerin bis zur Integrationshelferin - waren für den Termin im Impfzentrum angemeldet. „Die Organisation klappte perfekt“, berichtet Niehaus. Eingesetzt wurde der wieder zugelassene Impfstoff AstraZeneca. Nebenwirkungen wie Fieber und Schüttelfrost blieben allerdings nicht aus. Gut die Hälfte des Kollegiums habe damit zu kämpfen, gibt der Schulleiter zu. Vier Lehrerinnen konnten deswegen am Montag nicht zum Dienst erscheinen. „Wir haben aber mit Folgen gerechnet und unseren Vertretungsplan darauf ausgerichtet.“

Niehaus ist trotzdem froh, dass seine Schule noch vor Ostern an die Reihe kam. „AstraZenaca soll ja schon nach der Erstimpfung eine hohe Wirkung haben. Das gibt uns natürlich ein gutes Gebühl.“ Vor allem während des Förderunterrichts sei es für die Kolleginnen schwierig, den geforderten Abstand zum Kind einzuhalten. „Aber das gilt ja auch für Friseurinnen und viele andere Berufe.“

Auf den Tagesablauf dürften die Impfungen keinen großen Einfluss haben. Noch ist nicht klar, ob Geimpfte sich weiterhin anstecken und das Virus verbreiten können. Inzwischen sorgt außerdem die britische Corona-Mutation für zusätzliche Unruhe unter Pädagogen und Eltern. Experten befürchten, dass durch sie mehr junge Menschen erkranken und mit schwereren Verläufen konfrontiert werden.

Josef Niehaus sieht die Gefahr und hofft, dass sein Hygienekonzept ausreicht, um das Schlimmste zu verhindern. Bisher kam die Astrid-Lindgren-Schule vergleichsweise milde durch die Pandemie. Eine Lehrerin befindet sich zurzeit in Quarantäne. Vergangene Woche musste ein Schüler zu Hause bleiben, weil in seiner Familie ein Corona-Fall aufgetreten war. „Wir haben sofort die Bremse gezogen“, erklärt Niehaus. Er lobt vor allem die Eltern. „Sie haben trotz der hohen Belastung viel Verständnis für unsere Maßnahmen gezeigt und eigene Wege für die Betreuung der Kinder gefunden, so dass unsere Notbetreuung nicht überläuft.“ Niehaus hofft, dass die Impfung der U-70-Großelterngeneration bald für Entlastung sorgt.

Große Möglichkeiten, die Schutzmaßnahmen auszubauen, sieht der Rektor nicht. Luftreiniger seien wohl „in weiter Ferne“ und auch die angekündigten Schüler-Schnelltests blieben bisher aus. Immerhin sollen sie in dieser Woche endlich kommen. „Das wäre dann ein Mittel mehr, um direkt auf einen neuen Fall zu reagieren“. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hat das Festhalten am Präsenzunterricht ohne ausreichende Tests inzwischen kritisiert.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gelbrink-Schule in Löningen werden im Laufe dieser Woche geimpft. Heute sind 14 von ihnen dran. „Wir haben unterschiedliche Zeitfenster bekommen“, sagt Schulleiterin Andrea Schüler. Weil die Termine wegen der Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen vergangene Woche ausfielen, gibt es einige Nachrücker. Sorge, sich das umstrittene Vakzim verabreichen zu lassen, hat Andrea Schüler nicht. „Die Vorteile überwiegen bei Weitem die Risiken“, urteilt sie.

Für den Fall, dass sich Kolleginnen nach Erhalt der Spritze krank melden, fällt der Unterricht in ihren Gruppen aus. „Wir werden dann die Eltern benachrichtigen“. Eine andere Lösung sieht Schüler aus Mangel an Vertretungsmöglichkeiten nicht. Anfragen wegen der Mutationen hat sie noch nicht bekommen. Sie schließt aber nicht aus, dass sich Eltern damit an einzelne Lehrerinnen gewandt haben. Das Vertrauen in die Schule sei jedoch hoch, betont die Leiterin und verweist auf das Sicherheitskonzept mit zeitversetzten Pausen. Bisher funktioniert es. „Bei uns tut sich zum Glück nichts.“

Schulschließungen würden die beiden Schulleiter gern vermeiden. Der Wechselunterricht habe sich bewährt, betont Josef Niehaus. „Wir haben bei uns einen hohen Anteil an Schülern, die regelmäßige pädagogische Betreuung benötigen.“ Zwischen Präsenz- und Onlineunterricht sieht er einen „Riesenunterschied“. Drastischer drückt es seine Löninger Kollegin aus. Ohne Schule gingen Kinder „psychisch vor die Hunde“.

Andrea Schüler ist überzeugt, dass die Pandemie auch nach ihrer Überwindung Folgen für den Schulbetrieb haben wird. „Das geht schon mit dem Händewaschen los.“ Zwar sorge das ständige Lüften im Winter für kühle Temperaturen im gesamten Gebäude. Dagegen könne man sich aber anziehen. „Einige Schüler bringen sogar Decken mit.“ Erkältet seien die Kinder dennoch nicht. Auch andere Infektionskrankheiten, ja selbst die eigentlich unsausrottbaren Läuse, hätten derzeit keine Chance. „Wenn jetzt ein Kind krank wird, schicken wir es sofort nach Hause.“

Die Akzeptanz der Eltern für solcherlei Maßnahmen sei größer geworden. „Gerade die arbeitenden Mütter stehen aber unter einem hohen Druck, denn sie können nicht einfach zu Hause bleiben“, bedauert Schüler. Ihre Forderung: Die Gesellschaft müsse Wege finden, dass sich Eltern im Krankheitsfall um ihr Kind kümmern können.


zum Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 23.03.3021.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 23.03.2021.