Presseberichte

Gedenkfeier zum Jahrestag des Überfalls

Klaus Boog organisiert Veranstaltung zum 80. Jahrestag des Krieges mit der UdSSR auf Friedhof in Helmighausen

von Willi Siemer

Der kommende Dienstag (22. Juni) ist der Tag, an dem in der Geschichte der Deutschen eines der dunkelsten, wenn nicht das dunkelste und schlimmste Kapitel begann. An diesem Tag startete das Nazi-Regime das Unternehmen „Barbarossa“, den Überfall auf die Sowjetunion. Als Geste der Versöhnung und als ein Zeichen, dass die Deutschen im Umgang mit Russland ihre Geschichte und ihre Schuld nicht vergessen sollten, organisiert der Löninger Klaus Boog eine Gedenkveranstaltung am 80. Jahrestag des Kriegsbeginns mit der UdSSR am 22. Juni 1941.

Ort des Gedenkens wird der sogenannte „Russenfriedhof“ im Löninger Ortsteil Helmighausen sein. Hier wurden 123 junge Russen beerdigt, die in einem der vier Gefangenenlager in Löningen / Helmighausen neben der Bahn, am Burlagsberg, in Röpke und in Borkhorn an chronischer Unterernährung, den Folgen der katastrophalen hygienischen Bedingungen, Typhus oder Fleckfieber starben, die auf der Flucht erschossen oder wie Awin Moklokow wegen Arbeitsverweigerung hingerichtet wurden. Der Friedhof gehört zu den wenigen, auf dem fast alle Toten namentlich bekannt sind und auf dem später ihre Gräber kleine Sandsteinplatten erhalten haben.

Zumeist wurden die Gefangenen beim Ausbau der Reichsstraße 213 eingesetzt. Wer mehr Glück hatte, arbeitete auf einem der umliegenden Höfe. Prominentester Gast am 22. Juni ist Andrey Sharashkin, Generalkonsul der Russischen Föderation. Reden halten werden auch Bürgermeister Marcus Willen und Dr. Thomas Overbeck, Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbundes.

Boog, ehemaliger Vorstand der Remmers AG mit vieljährigem Arbeitsschwerpunkt Russland, ist Mitglied dieses Wirtschaftsbundes, der die Interessen mittelständischer Familienunternehmen wie Remmers oder Krone im Russland-Geschäft vertritt. Die Erzählungen seines Vaters, des Lehrers und Heimatforschers Manfred Boog, haben ihn schon lange vor seinem beruflichen Engagement für die Folgen von Krieg sensibilisiert.

So seien allein in Löningen in der Röpkenstraße neun von 14 Väter im Krieg getötet worden. Boogs Credo nach seinen Erfahrungen in Osteuropa: „Wirtschaftspolitik ist auch Friedenspolitik“. Sanktionen sind für ihn das falsche Mittel, denn sie treffen die Bevölkerung und nicht die Herrschenden.

Mit von der Partie ist am 22. Juni auch das Copernicus-Gymnasium (CGL). Elisabeth Rüve, Fachobfrau für Geschichte, gibt beim anschließenden Treffen im Centralhof einen „Historischen Impuls“. Vor vier Jahren war der stellvertretende russische Kulturminister Oleg Ryzjkow auf Einladung Boogs zu Gast in Löningen und hatte im CGL einen Vortrag über den „Einfluss der Deutschen auf die russische Kultur“ gehalten. In einem Grußwort erinnert er sich an die rührende Fürsorge, die die Löninger und vor allem die Nachbarn des Friedhofs dem Andenken der in Gefangenschaft gestorbenen jungen Russen entgegenbringen. „Dieser schlichte, gepflegte Friedhof taucht immer wieder vor meinen Augen auf, wenn es um den grausamen Krieg zwischen unseren Völkern geht“, schreibt er.

Die Dimensionen der Bilanz dieses Vernichtungskrieges bis zum Mai 1945 sind auch heute noch schwer zu begreifen: 28 Millionen Menschen allein in der UdSSR verloren ihr Leben in Kampfhandlungen oder durch Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Ein Teil der Verbrechen geschah nicht weit entfernt, in Deutschland: Denn von den 5,7 Millionen sowjetischen Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, kamen 3,3 Millionen ums Leben. Vor allem war es die „Vernichtung durch Arbeit“, der sich die Herrschenden bis hinunter zum letzten Wachsoldaten verschrieben hatten. Das sind beinahe 60 Prozent, die Sterblichkeit bei den französischen und britischen Gefangenen lag bei rund 1,5 Prozent. Ursache war die Nazi-Ideologie, denn die Russen waren für die Nazis „Untermenschen“.


zum Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 19.06.2021.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 19.06.2021.