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KLINIK-KRISE: Mitarbeiter sollen freiwillig verzichten. Offizialat sieht Patronatserklärung skeptisc

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 05.12.2012

Offizialats-Finanzdirektor August Dasenbrock sitzt auch im Aufsichtsrat einer kreditgebenden Bank. Diese hatte den Sanierungsfall erklärt.

VON REINER KRAMER

CLOPPENBURG Eine offene Patronatserklärung wird es von Seiten des Bischöflich Münsterschen Offizialats in Vechta für die in finanzielle Schieflage geratenen Kliniken Oldenburger Münsterland wohl nicht geben. Diese hätte zur Folge, dass das Offizialat für sämtliche Schulden der KKOM einstehen müsste – ein hohes Risiko in der jetzigen Situation, in der noch völlig unklar ist, wie sich die Situation der Häuser weiter entwickelt.

Es laufen aber weiterhin intensive Gespräche darüber, von welcher Seite Geld beschafft werden kann, um die spätestens zum 31. März drohende Zahlungsunfähigkeit der Häuser abzuwenden. Bis dahin hat die DKM Darlehnskasse Münster einen Überbrückungskredit in Höhe von 2,5 Millionen Euro gewährt – allerdings unter der Prämisse, dass die KKOM das Weihnachtsgeld an die mehr als 2000 Mitarbeiter nicht auszahlen müssen (3,5 Millionen Euro) und Tarifsteigerungen an die Ärzte (weitere 1,9 Millionen Euro) erst später gezahlt werden können. Auf das Weihnachtsgeld, zu dessen Auszahlung die Klinken nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas verpflichtet wären, sollen die Mitarbeiter nun freiwillig verzichten. Dazu haben die Mitarbeitervertretungen nach Informationen der NWZ am Dienstag Gespräche mit den Mitarbeitern aufgenommen. Sollte das Weihnachtsgeld doch gezahlt werden müssen, würde es „deutlich enger“, bestätigte Offizialatssprecher Ludger Heuer.

Wenn das Offizialat in dieses Szenario einspringe, könnten auch andere Häuser Ansprüche anmelden, äußerte Heuer Bedenken. Denn auch in vielen anderen kirchlichen Einrichtungen sei bereits seit Jahren kein Weihnachtsgeld gezahlt worden.

In den Kliniken befürchten viele der Mitarbeiter mittlerweile, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. „Die Angst geht um“, umschrieb ein Mitarbeiter gegenüber der NWZ die Stimmung im Cloppenburger Krankenhaus.

Der Kritik, das Offizialat engagiere sich zu wenig, entgegnete Heuer, es habe bereits für 2,5 Millionen Euro Grundstücksverkäufe abgesichert. Zudem hatte die St.-Josefs-Stiftung als Trägerin des Cloppenburger Krankenhauses beschlossen, nicht-betriebsnotwendige Grundstücke im Wert von 4,5 Millionen Euro zu verkaufen. Über eine weitere Beteiligung müsste der Kirchensteuerrat befinden.

Die DKM hatte auf Grundlage einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Oktober eine Kreditlinie nicht verlängert und die Katholischen Kliniken zum Sanierungsfall erklärt. Das hat zur Folge, dass die Geschäftsführung einen Sanierungsplan erstellen muss.

Im Aufsichtsrat der DKM sitzt auch der Finanzdirektor des Offizialats, August Dasenbrock: Einen Interessenkonflikt sieht Offizialats-Sprecher Heuer darin nicht, im Gegenteil: Er könne positiven Einfluss nehmen. Dasenbrock setze sich „vehement für den Erhalt der Kliniken“ ein, so Heuer weiter. Der Aufsichtsrat der Bank tagt in regelmäßigen Abständen, im vergangenen Jahr alleine sechs Mal. Die Entwicklung der Kliniken wird darin Thema gewesen sein.

Kritik an der Aussage Dasenbrocks, die Schließung der Häuser in Emstek und Löningen sei „alternativlos“, äußerte Rainer Rauch, Bürgermeister von Lindern, gegenüber der NWZ: „Man hat nur keine anderen Alternativen im Blick gehabt.“

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