Presseberichte

Beschäftigte sollen Kliniken retten

Quelle: Weser-Kurier vom 05.12.2012

Von Stefanie Grube

Oldenburger Land. Finanziell angeschlagene Kliniken in Niedersachsen greifen zu harten Mitteln: Weihnachtsgeld und rückwirkende Tariferhöhungen wurden am St.-Josef-Stift in Delmenhorst gestrichen. Vier Krankenhäuser im Oldenburger Münsterland verhandeln noch um diese Posten.

Seit Freitag steht das Notfallprogramm fest für das St.-Josef-Stift in Delmenhorst. Der Geschäftsführer des katholischen Krankenhauses, Thomas Breidenbach, hatte den Antrag schon im September wegen eines finanziellen Engpasses gestellt. Die daraufhin eingeschaltete arbeitsrechtliche Kommission der Caritas hat nun zugestimmt. Beschäftigte auf insgesamt 258 Vollzeitstellen seien vom Streichen der Tariferhöhungen und des Weihnachtsgeldes beziehungsweise der Jahressonderzahlungen betroffen, sagt Uwe Weyerbrock, der Mitglied der Kommission ist.

Das Krankenhaus in Delmenhorst ist kein Einzelfall: Auch andere Kliniken in Niedersachsen haben Probleme, sich zu finanzieren. Der Verbund der Katholischen Kliniken im Oldenburger Münsterland (KKOM) setzt auf die gleichen Sparmethoden wie das Delmenhorster Josef-Stift: Auch dort verhandelt eine Kommission der Caritas als Vertretung der kirchlichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ob Weihnachtsgeld und Tariferhöhungen gestrichen werden dürfen.

Zu dem Verbund KKOM gehören vier Kliniken in Cloppenburg, Emstek, Löningen und Vechta. Entschieden ist noch nichts, und laut Weyerbrock wird das auch noch dauern. Er sagt zur aktuellen Lage der Beratungen in der Kommission: "Wir lesen jeden Tag neue Dinge über den Krankenhaus-Verbund in der Presse." Teilweise kämen dort Fakten an die Oberfläche, von denen die Kommission noch nichts gewusst habe. Wie beispielsweise die Geschichte über die drei Millionen Euro? Das Geld floss als Abfindung an zwei Ärzte, die im Streit die Klinik verlassen haben. Nein, sagt Weyerbrock, davon habe die Kommission sehr wohl gewusst, aber: "Es wäre einfach, wenn das das Problem wäre. Die gesamten Schulden sind deutlich höher." Die Kommission, die aus sechs Vertretern der Arbeitgeber und ebenso vielen Vertretern der Arbeitnehmer besteht, muss nun weitere Unterlagen sichten. Mit oder ohne Entscheidung der Kommission – für die Beschäftigten heißt das erst einmal kein Weihnachtsgeld.

"Die Krise ist viel tiefer", sagt Weyerbrock. Der Verbund KKOM ist finanziell so angeschlagen, dass ein Sanierungskonzept die Schließung der beiden Kliniken in Löningen und Emstek vorschlägt. "Wut, Verzweiflung, innere Kündigung sind nicht selten anzutreffen", schreibt die Caritas Niedersachsen in einer Petition an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), mit der sie auf die zunehmend schlechten Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern reagiert. Die Caritas Niedersachsen spielt im Land eine tragende Rolle: Von den 200 Kliniken ist jede vierte katholisch. Laut Caritas muss sich etwas ändern , und zwar am gesamten Finanzierungssystem der Krankenhäuser. In der Petition heißt es: Trotz dieser Misere steigerten die Krankenkassen weiter ihre Überschüsse.

"Kein Chef streicht seinen Mitarbeitern gerne das Weihnachtsgeld" , sagt Dietmar Kattinger, Pressesprecher des Caritas Landesverbands. Eine Lösung muss her, denn laut Caritas befinden sich in Niedersachsen 40 Prozent der Kliniken in einer finanziellen Schieflage, das sei "bedrohlich". Die finanziellen Probleme der Kliniken seien keine allein niedersächsischen, sagt Kattinger. Dennoch: Gerade die vielen ländlichen Krankenhäuser im Flächenland Niedersachsen hätten finanzielle Probleme, so Kattinger.

Für einen bundesweiten Vergleich zieht die Caritas den vor Kurzem veröffentlichten Krankenhaus Rating Report 2012 heran. Dem Bericht zufolge wirtschaften 15 Prozent der deutschen Kliniken im "roten Bereich", das heißt mit erhöhter Insolvenzgefahr.

[Den Original-Bericht lesen Sie im Weser-Kurier]