Presseberichte

FINANZMISERE Krise der Katholischen Kliniken Oldenburger Münsterland. „Ergebnisse zu positiv dargest

Samstag, Nordwest-Zeitung den 24.11.2012
FINANZMISERE Krise der Katholischen Kliniken Oldenburger Münsterland. „Ergebnisse zu positiv dargestellt“

Die Hiobsbotschaften teilte der Geschäftsführer in zwei Betriebsversammlungen mit. 2000 Mitarbeiter kamen in die Stadthalle Cloppenburg.
VON REINER KRAMER UND NORBERT WAHN
CLOPPENBURG/EMSTEK/LÖNINGEN „Wir haben ein wirtschaftliches Problem, kein Versorgungsproblem“, betonte Michael gr. Hackmann, Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Oldenburger Münsterland, am Freitag in Cloppenburg. Die vier (noch) dem Verbund angehörenden Krankenhäuser in Cloppenburg, Vechta, Emstek und Löningen seien, was die Patientenzahlen betrifft, gut ausgelastet. Als wichtigsten Grund für die finanzielle Schieflage der Häuser sieht er die gestiegenen Personalkosten.

Im St.-Josefs-Stift etwa sind in den vergangenen Jahren neue Chefärzte angestellt worden. Auf der anderen Seite waren mit Dr. Lucien Olivier (Cloppenburg) und Dr. Harald Kuhn (Emstek) zwei Chefärzte mit insgesamt fast drei Millionen Euro hohen Abfindungen entlassen worden.

Nun will man gegensteuern: Der – noch nicht endgültige – Sanierungsplan der Geschäftsleitung des Klinikverbundes sieht die Schließung der Kliniken in Emstek und Löningen vor. 150 Vollzeitkräften soll gekündigt werden. Weihnachtsgeldzahlungen sollen ausgesetzt werden, ebenso tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen. „Wir sind in eine Situation gekommen, wo das Kostensparen immer schwieriger wurde“, so gr. Hackmann. Und „Verlustträger“ gab es offenbar in allen vier Einrichtungen des Verbundes. Diese Hiobsbotschaften teilte der Geschäftsführer am Freitag in zwei Betriebsversammlungen mit, zu denen insgesamt mehr als 2000 Mitarbeiter in die Cloppenburger Stadthalle gekommen waren.

„Wir haben Defizite und hätten viel früher reagieren müssen“, sagte der Geschäftsführer selbstkritisch. Doch so einfach war das offenbar nicht. „Die Ergebnisse sind in der Vergangenheit zu positiv dargestellt worden. So war die schlechte Entwicklung für 2012 nicht so erkennbar für uns“, erklärte Siegfried Eilers, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Damit spielte er indirekt auf den ehemaligen Sprecher der Geschäftsführung, Helmut Themann, an, der Mitte der Woche zurückgetreten war. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschäftigt sich bereits mit dem Fall. „Es wird alles aufgearbeitet“, versprach Eilers.

Um auch aus eigenen Kräften finanziell wieder auf die Füße zu kommen, will man „Tafelsilber“ in Form von Grundstücken (Wälder, Wiesen, Äcker) veräußern – sieben Millionen Euro sollen so zusammenkommen.

Das Krankenhaus in Cloppenburg soll, um es zukunftsfähig zu gestalten, bis 2017 komplett saniert werden. Dazu will man 24 Millionen Euro investieren. Derzeit gibt es Gespräche mit strategischen Partnern, die man beteiligen möchte. Neue Strukturen in der Führung sollen dafür sorgen, dass künftig auch die Basis mehr gehört wird.