Presseberichte

Carstens drängt: „Holding kann alle vier Kliniken retten“

zurück zur Übersicht, 20.12.2012, Quelle: Münsterländische Tageszeitung vom 21.12.2012

(Foto: Angelika Hauke)

Oldenburger Münsterland. Das Sanierungs-Rohkonzept für den KKOM-Verbund im Wortlaut:

Lagebeschreibung:
Der KKOM-Verbund verfügte am 31.12.10 noch über mehr als 10 Mio. € Eigenkapital und erzielte im Jahre 2010 einen Gewinn von über 1 Mio. €. 2011 entstand sage und schreibe ein Verlust von über 10 Mio. €. Eigenkapital wird Ende des Jahres nur noch in geringem Umfang vorhanden gewesen sein. 2012 gab es erneut hohe Verluste, wodurch das Eigenkapital gänzlich aufgezehrt wurde. Nur durch Immobilienverkäufe in Mio.-Höhe konnte das Abrutschen ins Unterkapital verhindert werden, was ansonsten den Gang zum Insolvenzgericht erforderlich gemacht hätte. Den Mitarbeiter/-innen und Ärzten muss partieller Lohnverzicht auferlegt werden, um als Verbund zu überleben. Die Gesamtlage ist mehr als prekär. Die unzureichenden KV.-Vergütungen haben die Entwicklung zusätzlich verschärft.

Fazit:
Der KKOM-Verbund in der jetzigen Form ist gescheitert. Eine Insolvenz in 2013 ist ohne kraftvolle und nachhaltige Änderung der Geschäftspolitik der KKOM unaufhaltbar.



Lösung:
Die Beibehaltung des KKOM-Verbundes ist sinnvoll. Es müssen aber klare und überschaubare Entscheidungswege und Zuständigkeiten vorhanden sein. Aus diesem Grunde wird der KKOM-Verbund in der Gesellschaftsstruktur neu geordnet und als

Holding-Gesellschaft mit vier Untergesellschaften weitergeführt. Die Standorte Cloppenburg, Emstek, Löningen und Vechta bleiben erhalten. Jeder Standort entscheidet die üblichen Vorgänge in eigener Zuständigkeit und ist für das Wirtschaftsergebnis verantwortlich. Für jeden Standort wird ein Geschäftsführer bzw. Verwaltungsdirektor eingesetzt.
Die Holding-Gesellschaft beschließt über Grundsatzfragen des Verbundes z.B. Zuordnung der Fachbereiche, Chefarztverträge, Finanzierungsfragen, Investitionen ab einer bestimmten Höhe, gemeinsamer Einkauf, u.ä. Es wird ein Sonderbeauftragter für Bauangelegenheiten bestellt.

Für Aufsicht und Kontrolle der Holding-Gesellschaft und der weiteren vier Gesellschaften sind die entsprechenden Aufsichtsgremien zu bilden.

Sitz der Holding wird aufgrund der zentralen Lage im Verbund und der vorhandenen Räumlichkeiten Emstek, ihre Personalausstattung ist auf ein Minimum zu begrenzen.
Die MAV´en sind zukünftig angemessen und damit stärker als bisher, in wichtige Entscheidungsvorgänge einzubeziehen.

Der Umgang mit der Öffentlichkeit ist noch einzuüben.

Ausgangssituation:
Die Krankenhäuser im Kreis Cloppenburg (einschl. Friesoythe) versorgen nur etwa 50 % der Kreisbevölkerung, was deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt. Die andere Hälfte wird außerhalb des Kreisgebietes behandelt.

Im Kreis Vechta beträgt die Eigenversorgung erfreulicherweise über 70 %.
Bei Aufgabe der Standorte Emstek und Löningen müsste von einem Rückgang der Eigenversorgung im Kreis Cloppenburg auf unter 50 % ausgegangen werden.

Warum so kraft- und saftlos? Das ist doch gar nicht unsere Art im Oldenburger Münsterland. Mindestens 2/3 Eigenversorgung heißt das Ziel, ohne rote Zahlen zu schreiben. Dieses Plus muss vor allem über den Standort Cloppenburg kommen. Aber auch Löningen und Emstek haben dazu beizutragen, wenn möglich, natürlich auch Friesoythe.

Allgemeines:
Mit der Fortführung aller vier Krankenhäuser entfällt ein größerer Mio.-Betrag für einen Sozialplan, da in diesem Fall Personalentlassungen nicht stattfinden. Hierdurch wird neben der Kosteneinsparung in Mio.-Höhe die Motivation der Mitarbeiter/-innen und Ärzte unvergleichlich höher sein als bei Entlassungen in erheblicher Größenordnung, zumal die bis Ende 2013 ins Auge gefassten Lohnverzichte wohl nötig sein werden. Bis dahin sollte die Sanierung des Verbundes annähernd erreicht werden können.

Spätestens im Oktober 2013 soll für die Mitarbeiter/-innen und Ärzte Klarheit über deren Lohn- und Gehaltszahlungen in 2014 bestehen.

Die Erhöhung der KV-Fallpauschalen ist parallel mit allem Nachdruck zu betreiben. Es muss schnellstmöglich für alle Kliniken im Lande eine verbesserte Finanzierungsbasis erreicht werden.

Mit den Hausbanken ist verbindlich abzustimmen, bis zu welcher Kredithöhe sie die Sanierung mitgehen. Sollte eine darüber hinausgehende Finanzierung nötig sein, müssen Alternativen zur Verfügung stehen, die öffentlich nicht behandelbar sind.

Die Standorte im Einzelnen:

- Standort Cloppenburg:

In Cloppenburg müssen mittelfristig sämtliche Fachbereiche angeboten werden, die üblicherweise zu einem Kreiskrankenhaus gehören u.a. Diabetesbehandlung, Kinderstation (im kinderreichsten Kreis Deutschlands doch wohl eine Selbstverständlichkeit) u.a.m. Insbesondere ist auch die Einrichtung einer Kardiologie in Cloppenburg unverzichtbar. Zur Zeit gibt es in Cloppenburg zwar fähige Kardiologen, aber keine Kardiologie.
Die entzogene Zulassung des Verletzungsartenverfahrens der Berufsgenossenschaft muss schnellstmöglich zurückerworben werden.

Die vorhandenen Disziplinen müssen attraktiv gestaltet und so eingerichtet werden, dass die Bewohner des Kreises Cloppenburg es für selbstverständlich erachten, im Krankheitsfall stationär in Cloppenburg behandelt zu werden. Hierzu ist ein Bündel von Maßnahmen nötig, was intern mit Nachdruck umzusetzen sein wird.

Die geplanten Bauinvestitionen sind zügig durchzuführen, sobald die Genehmigung vorliegt und die Finanzierung gesichert ist.

- Standort Emstek:

Die Orthopäd. Fachklinik wird in einer Größenordnung von ca. 80 Betten fortgeführt und wieder auf das klassische Chefarztprinzip umgestellt. Nur so wird die Klinik wieder den Zuspruch der Patienten, der Niedergelassenen Ärzte und der Fachärzte im Weser-Ems-Raum zurückgewinnen. Eine alternative Regelung wird nicht a priori ausgeschlossen.
Ein Teil der Belegung erfolgt durch die beizubehaltende Rheumatologie, die noch ausbaufähig ist.

Mit den Ärzten ist eine einvernehmliche Regelung anzustreben, wobei die Interessenlage aller Standorte einzubeziehen ist.

Die gegenwärtig schon erfolgreich in Emstek tätige Wirbelsäulenchirurgie, die stark zunehmende Fallzahlen aufweist, ist sowohl für Emstek als auch für den Verbund von Bedeutung und in der Gesamtplanung nachhaltig zu berücksichtigen.
Baumaßnahmen sind nicht nötig. Das Krankenhaus ist in einem vorzüglichen Zustand. Das vorhandene Solebad ist allerdings zu erneuern, was mit einer angemessenen Erhöhung der Benutzungsgebühr zu verbinden ist.

- Standort Löningen:

Die Urologie ist als fester Bestandteil des Standortes zu bestimmen und modern und leistungsfähig zu halten, ebenso die anderen vorhandenen Fachbereiche.

Die Gynäkologie gehört auf jeden Fall wieder nach Löningen. Durch die Statistik wird belegt, dass die Geburten, anders als angenommen, in Krankenhäusern außerhalb des Kreises Cloppenburg stattfinden.

Es existiert eine gut laufende BG-Zulassung, Ziel sollte es sein, das Verletzungsarten- verfahren wieder zu erhalten.

Darüber hinaus kommt dem Standort Löningen der Status zu, im wesentlichen für den Bereich des Alten Amtes Löningen und für ein Gebiet, das die Kreisgrenzen etwas überschreitet, alle rentabel zu betreibenden Behandlungsfelder anzubieten. Auf diese Weise wird der Standort Löningen an der Erreichung des 2/3 Ziels bei der Eigenversorgung der Kreisbevölkerung mitwirken können, was auch für Emstek zutrifft.

Erhebliche Baumaßnahmen sind nicht nötig, da sich die Gebäude in einem guten Zustand befinden.

- Standort Vechta:

Für den Kreis Vechta gilt das Ziel, in der Eigenversorgung der Kreisbevölkerung nicht auf unter 70 % abzurutschen, sondern dauerhaft mindestens 75 % zu erreichen. Das Krankenhaus in Vechta hat hierzu einen überzeugenden Beitrag zu leisten.

Zur Zielerreichung gehört auf jeden Fall die Absicherung der vorhandenen Fachbereiche, nicht zuletzt auch die Kardiologie, die nicht ohne Grund namentlich erwähnt wird.

Grundsätzlich ist das Krankenhaus Vechta in einem überzeugenden Zustand.

Gleichwohl werden erhebliche Anstrengungen auch in Vechta von Nöten sein, da trotz guter Auslastung nicht geringe Verluste gemacht werden. Die Wettbewerbslage des Standortes Vechta erfordert ein durchgehend auf hohem Niveau stehendes Behandlungsangebot. Wie in Cloppenburg sind auch am Standort Vechta gegebenenfalls neue Fachbereiche einzurichten oder vorhandene auszubauen und zu modernisieren. Hierzu werden Gespräche, vielleicht auch Absprachen mit Lohne und Damme zu empfehlen sein.

Die laufenden Baumaßnahmen sind im vorgesehenen Zeitplan fertigzustellen, etwaiger weiterer Bedarf ist zielstrebig anzuschieben.

Bei allen vier Krankenhäusern wird es darauf ankommen, durch überzeugende Leistungen und höfliches Auftreten Zustimmung und Sympathie der Bevölkerung zu bekommen und durch partnerschaftlichen Umgang die Unterstützung der Ärzte unserer Region.

Zusammenfassung:

Dieses Sanierungskonzept
• sichert alle vier Krankenhausstandorte
• vermeidet Entlassungen
• ist kostengünstiger als das bislang vorgesehene Modell
• setzt auf Expansion und nicht auf Rückzug
• entspricht Art und Empfinden unserer heimischen Region

[Den vollständigen Bericht finden Sie in der MT]