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Plan: Expansion statt Rückzug. Staatssekretär a.D. Manfred Carstens stellt eigenes ...

zurück zur Übersicht, 22.12.2012, Quelle: NWZ online vom 21.12.2012

(Bild: NWZ-Archiv)

Der Emsteker will alle vier Klinikstandorte erhalten und die Leistungen ausbauen. Die Versorgungsquote müsse erhöht werden.

Reiner Kramer

EMSTEK/CLOPPENBURG Der Erhalt aller vier Krankenhäuser, die Vermeidung von Entlassungen und Expansion statt Rückzug – das sind die Grundpfeiler des Sanierungskonzeptes, das Manfred Carstens, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., erarbeitet hat und am Donnerstag der NWZ vorstellte.


Neues Konzept für Katholische Kliniken

Carstens, der betonte, „ohne Auftrag“ zu arbeiten, hält die Beibehaltung des KKOM-Verbundes für sinnvoll. „Es müssen aber klare und überschaubare Entscheidungswege und Zuständigkeiten vorhanden sein.“ Aus diesem Grunde schlägt er vor, die KKOM künftig als Holding-Gesellschaft mit vier Untergesellschaften zu führen. Der Vorteil: Jeder Standort könne über das Tagesgeschäft selbst entscheiden und sei auch für das Wirtschaftsergebnis verantwortlich. Jeder Standort solle daher auch einen eigenen Geschäftsführer oder Verwaltungsdirektor erhalten, schlägt Carstens vor, der nach eigenen Angaben über „vielfältige Sanierungserfahrung“ verfügt.

Die Holding-Gesellschaft beschließe lediglich über Grundsatzfragen, etwa über Chefarztverträge, Finanzierungsfragen, Investitionen ab einer bestimmten Höhe. Diese Holding, mit einem Minimum an Personal, soll ihren Sitz am Emsteker Krankenhaus nehmen. Künftig seien auch die Mitarbeitervertretungen stärker als bisher in wichtige Entscheidungsvorgänge einzubeziehen.

Versorgung zu gering

Der langjährige Bundestagsabgeordnete sieht vor allem die geringe Versorgungsquote von etwa 50 Prozent der Kreisbevölkerung – deutlich unter Landesschnitt – als Problem. In Vechta liege diese bei 70 Prozent. Würden die Standorte Löningen und Emstek geschlossen, würde die Quote auf unter 50 Prozent sinken. „Warum so saft- und kraftlos?“, fragt Carstens. „Das ist doch gar nicht unsere Art im Oldenburger Münsterland.“ Um aus den roten Zahlen herauszukommen, sei eine 66-Prozent-Quote das Ziel. Hier sei vor allem Cloppenburg in der Pflicht.

Durch die Fortführung der Häuser und den Wegfall von Entlassungen würde ein höherer Millionen-Betrag für Abfindungen (Sozialplan) entfallen. Dadurch würde sich auch die Motivation der Mitarbeiter und Ärzte erhöhen – anders im Falle von Entlassungen. Die Sanierung des Verbundes, urteilt das langjährige Mitglied im Kuratorium des Emsteker St.-Antonius-Stifts, sollte bis Ende 2013 annähernd erreicht sein. Die Hausbanken sollten signalisieren, bis zu welcher Kredithöhe sie die Sanierung mitgingen.

Sozialplan fällt weg

Am Standort Cloppenburg müssten mittelfristig sämtliche Fachbereiche angeboten werden, die zu einem Kreiskrankenhaus gehörten, etwa die Diabetesbehandlung, eine Kinderstation. Die Einrichtung einer Kardiologie-Abteilung sei „unverzichtbar“, schließlich gebe es in Cloppenburg bereits fähige Kardiologen. Schnellstmöglich zurückerworben müsse die Zulassung des Verletzungsartenverfahrens der Berufsgenossenschaft.

In Emstek solle die Klinik mit etwa 80 Betten fortgeführt und auf das klassische Chefarztprinzip (als Alternative zu Honorarverträgen) umgestellt werden. „Nur so wird die Klinik wieder den Zuspruch der Patienten, der niedergelassenen Ärzte und der Fachärzte im Weser-Ems-Raum zurückgewinnen“, glaubt der 69-Jährige. Die Rheumatologie sei ausbaufähig, die Wirbelsäulenchirurgie sei in der Planung zu berücksichtigen.

Die Urologie in Löningen müsse leistungsfähig gehalten werden, wieder eingerichtet werden müsse die Gynäkologie. Frauen würden ihre Kinder nicht – wie erhofft – in Cloppenburg zur Welt bringen, sondern in Kliniken außerhalb des Landkreises. Löningen müsse „alle rentabel zu betreibenden Behandlungsfelder“ anbieten.

In Vechta solle die Eigenversorgungsquote auf 75 Prozent gesteigert werden. Die Kardiologie in Vechta müsse erhalten bleiben. Gegebenenfalls müssten weitere Fachbereiche eingerichtet werden.

Entscheidend an allen Krankenhäusern seien „überzeugende Leistungen und höfliches Auftreten“, um „Zustimmung und Sympathie der Bevölkerung zu bekommen“. Der Ex-CDU-Politiker drängt zur Eile, denn Ärzte und Fachkräfte könnten abgeworben werden. Carstens: „Warum fangen wir nicht am 2. Januar mit der Umsetzung an?“

[Den Original-Bericht finden Sie HIER]