Presseberichte

Schmähgedicht: Dunkel entschuldigt sich

zurück zur Übersicht, 03.01.2013, Quelle: NordWestZeitung vom 02.01.2013

BESCHNEIDUNG Juden und Muslime beschimpft – Grünen-Landtagskandidat will auf Mandat verzichten

Der Zentralrat der Juden wirft Ulf Dunkel „hasserfüllten Hochmut“ vor. Kritik gibt es auch aus den Reihen der Grünen.

VON REINER KRAMER UND ANNA ZACHARIAS

LÖNINGEN/OLDENBURG/DELMENHORST Eine scharfe Debatte um Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit hat Ulf Dunkel aus Löningen, Direktkandidat für die Grünen im Wahlkreis Cloppenburg, ausgelöst.

Der 49-jährige Löninger hatte in einem im Internet veröffentlichten Gedicht gegen die Beschneidung jüdischer und muslimischer Neugeborener von „Arschlöchern“ und „blinden Fanatikern“ geschrieben. In einem anderen Gedicht heißt es: „Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied.“

Jehuda Wältermann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Oldenburg, sagt, er habe sich das Gedicht „noch nicht angetan“. Die Beschneidungsdebatte sei es zwar wert, darüber zu sprechen. Ihm gehe es dabei aber zu selten um die Argumente aus Medizin und Psychologie.

„Hasserfüllten Hochmut“ warf der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, in der „Süddeutschen Zeitung“ Dunkel vor und forderte die Grünen auf, ihn zurückzuziehen. Auch aus den eigenen Reihen hagelte es deutliche Kritik. Nun hat Dunkel Konsequenzen gezogen.

Er werde im Falle eines (ohnehin umwahrscheinlichen) Wahlsieges das Landtagsmandat nicht antreten, teilte Michael Jäger für den Vorstand des Grünen-Kreisverbandes Cloppenburg mit.

Aufgrund des Landeswahlgesetzes könne er seine Kandidatur aber formal nicht zurückziehen. Dunkel entschuldigte sich am Dienstag für sein „in der Sache nicht angemessenes Gedicht“ bei Juden und Muslimen: „In der emotionalen Wucht der Diskussion ist es mir leider nicht immer gelungen, die richtigen Worte zu finden.“

Auslöser seines Gedichts sei der Dokumentarfilm „It’s A Boy“ eines jüdischen Filmemachers zur Beschneidung gewesen. Mit Sorge erfülle ihn aber, „wenn Herr Graumann äußert, mein Machwerk strotze nur so von hasserfülltem Hochmut gegenüber Juden und Muslimen“. Er sei weder Antisemit noch Antimuslim.

Bereits Ende Oktober hatte Dunkel in einem Brief an alle Bundestagsabgeordneten vor einem „Sondergesetz für Juden“ gewarnt. In einem Internet-Chat ebenfalls im Oktober hatte Dunkel erklärt, viele hätten Angst, für kritische Äußerungen zur Beschneidung „die Antisemitismuskeule auf den Kopf zu bekommen“ .

Der Vorstand der Kreis-Grünen begrüßte die Entscheidung, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen. Dunkel habe sich „in einigen Fällen abfällig und verletzend geäußert“, räumte Michael Jäger ein. Trotzdem nimmt der Grünen-Kreisverband seinen Kandidaten in Schutz. Der Niedersächsische Landesvorstand distanzierte sich indes von Dunkel.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, Pedro Becerra, hat wenig Verständnis für die Äußerungen des Politikers. „Das hat weder mit Poesie noch mit Prosa etwas zu tun“, sagte er am Dienstag. Bei der Wortwahl Dunkels werde eine Grenze überschritten, seine Aussagen seien ein Angriff auf die Pluralität und die Religionsfreiheit. „Die Vokabeln, die Herr Dunkel benutzt, sind nicht angemessen“, sagte er.

[Den Original-Bericht finden Sie in der NWZ]