Presseberichte

„Unser Hauptproblem ist der Fachkräftemangel“

Stadt kann Anteil an Einkommensteuer in zehn Jahren verdoppeln

Im MT-Interview äußert sich Löningens Bürgermeister Marcus Willen zu den Ein- und Auspendler-Zahlen der Industrie- und Handelskammer und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadtgemeinde in den vergangenen Jahren.

von Willi Siemer


Wie bewerten Sie die jetzt veröffentlichten Zahlen der Industrie- und Handelskammer zu den 2200 Einpendlern, die täglich in Löningen zur Arbeit fahren und den 2600 Arbeitnehmern, die täglich die Stadtgemeinde verlassen, um in anderen Kommunen zu arbeiten?
Auch wenn die Bilanz nicht ganz ausgeglichen ist, zeigt sie doch Löningens traditionelle Stärke als Standort für Gewerbe, Handwerk und Industrie und vor allem die positive Entwicklung der letzten Jahre angesichts der Zahlen für 2014. Zu beachten ist auch, dass die Ein- und Auspendler ja nur einen Teil der Arbeitnehmer erfassten, denn es gibt noch viele Arbeitnehmer, die in diesen beiden Statistiken nicht erfasst sind und in Löningen wohnen und arbeiten.

Wie können und wollen Sie dieses Verhältnis verändern oder verbessern?
Schon aus rein ökologischen Gründen, wegen der Kosten für die Pendelei und auch die dabei verschwendete Lebenszeit wünschen wir uns natürlich, dass möglichst viele der Einpendler nicht mehr fahren, sondern unsere Stadt auch als ihren Wohnsitz wählen. Wir tun alles, dass Löningen hier attraktiv ist, zum Beispiel mit den gleichzeitigen Planungen für sechs Baugebiete und weiteren in der Pipeline. Zudem haben wir große Anstrengungen im Kindergarten- und Krippenbreich unternommen, denn wir sehen frühkindliche Bildung als einen der wichtigsten Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Löningen bietet mittelzentrale Angebote wie das Krankenhaus, das mehrgliedrige Schulsystem, das große Freizeit- und Sportangebot oder die vielfältige Gastronomie.

Wie viele Arbeitsplätze gibt es insgesamt in Löningen und wie viele Arbeitnehmer?
Wir gehen davon aus, dass es mehr als 6000 Arbeitnehmer in Löningen gibt. Nach der von der Bundesagentur für Arbeit uns vorliegenden neuesten Statistik für Juni 2018 gibt es knapp 5800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort. Hinzu kommen die Beamten und hier vor allem Lehrer, Polizeibeamte, städtische Beamte und auch weitere Beamte in anderen Bereichen. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Stadt steigt seit Jahren deutlich, auch ein Beleg für die Dynamik der Löninger Wirtschaft. Von 4571 in 2014 über 4853 (2016) auf fast 5200 in 2018.
Auch hier sind zum Beispiel die Beamten nicht erfasst. Die Statistik der Agentur weist zudem für Löningen mehr als 1600 Arbeitsplätze im geringfügigen Beschäftigten-Bereich aus.

Wie wirken sich diese Steigerungen konkret auf die Stadt aus?
Insbesondere durch rasant steigende kommunale Anteile an der Einkommensteuer. Sie haben sich in nur zehn Jahren fast verdoppelt. 2010 lag der Anteil noch bei 2,6 Millionen Euro, für das kommende Haushaltsjahr erwarten wir 5,15 Millionen Euro.

Wo sehen Sie hier in dieser Entwicklung die größten Probleme für die Stadt?
Wir haben seit Jahren keine Probleme im Bereich der Arbeitslosigkeit. Die rund drei Prozent in Löningen gelten allgemein als Vollbeschäftigung und wir haben nach der Statistik 140 Harz-4 Empfänger in der Stadt. Unser größtes Problem in Löningen ist nach den übereinstimmenden Aussagen der Betriebe der Fachkräftemangel in allen Bereichen, vom Handwerk und Industrie über die Heilberufe bis zu Pflege.
Neben den mittelfristig wirksamen Anstrengungen durch die gute Arbeit der Schulen mit niedrigen Abbrecherquoten und in der Ausbildung müssen alle daran arbeiten, Mitarbeiter für die hochwertigen Arbeitsplätze nach Löningen zu locken. Das kann die Stadt am ehesten unterstützen, indem Löningen als Wohnort attraktiv ist und noch weiter ausgebaut wird.


Quelle:
Bericht Münsterländische Tageszeitung vom 30.10.2019.