Presseberichte

Klärschlamm-Menge schrumpft drastisch

Vom größten Verbraucher zum autarken Energieproduzenten / Stadt investiert fünf Millionen in Modernisierung

Löningen investiert in den kommenden Jahren mehr als fünf Millionen Euro in die weitere Modernisierung der Kläranlage. Damit soll unter anderem die Klärschlamm-Menge drastisch reduziert werden.

von Willi Siemer


Auf dem besten Weg zu einem Quantensprung sowohl bei der Menge des anfallenden und teuer zu entsorgenden Klärschlamms als auch bei den Energiekosten befindet sich die Stadt Löningen durch die geplanten Investitionen in die weitere Modernisierung und den Ausbau der kommunalen Kläranlage.

„Nach Abschluss der Modernisierung wandelt sie sich vom bisher größten kommunalen Verbraucher mit 1,2 Millionen Kilowattstunden zum wahrscheinlich autarken Energieproduzenten“, freut sich Bürgermeister Marcus Willen. Eine Kilowattstunde kostet 23 Cent, ein Einfamilienhaushalt verbraucht rund 4000 Kilowattstunden.

Wurden in 2019 bereits 700000 Euro insgesamt in eine neue Klärschlammpresse und die Modernisierung der Steuerung und Nebenanlagen investiert, so fließen bis 2022 mehr als fünf Millionen Euro in den Entsorgungskomplex in den Werwer Fuhren.

Da die Verwaltung sorgfältig auch mit Hilfe eines Fachbüros darauf achte, alle sich bietenden Zuschussmöglichkeiten zu nutzen, sei es gelungen, wegen der großen CO2-Einsparung eine Million Euro von der N-Bank als Zuschuss zu erhalten, so Willen.

Die bis 2022 geplanten Millionen-Investitionen seien sowohl ökonomisch auch ökologisch gut investiertes Geld, betonten auf einer Pressekonferenz der Bürgermeister, der Kläranlagenleiter Ralf Bohmann und der Fachbereichsleiter Hochbau, Jens Flerlage.

Welche Dimensionen die Klärschlamm-Reduzierung haben wird, machen drei Zahlen deutlich: 100 Tonnen, 15 Tonnen und vier Tonnen: Die neue, wirtschaftlich mit nur einer Umdrehung pro Minute laufende Presse reduziert 100 Tonnen Klärschlamm auf 15 Tonnen. Die in diesem und im kommenden Jahr für 1,1 Millionen Euro geplante neue Trocknungsanlage lässt die 15 Tonnen noch einmal auf vier Tonnen schrumpfen.

Damit gelingt es den Löningern, die immens steigenden Kosten der Entsorgung auf ein normales Maß zu begrenzen. Denn Klärschlamm darf nicht mehr als Dünger auf Äckern ausgebracht werden, sondern muss thermisch verwertet werden. Wird in der ersten Stufe, der Klärschlammpresse, die bisher flüssige Menge von 19000 Tonnen (730 Lastwagenladungen) im Jahr auf jetzt 2000 Tonnen geschrumpft, so müssen ab Ende 2021 nur noch 650 Tonnen nach der Trocknung zur Verbrennung gefahren werden.

Auch die Abnahme ist gesichert. Die Stadt habe als neues Mitglied des OOWV einen Vertrag mit dem Wasserverband abgeschlossen, der in Bremen mit Partnern eine Monoklärschlamm-Verbrennungsanlage bauen wird. Der kommunalen Löninger Anlage werden dabei die gleichen Konditionen eingeräumt wie denen verbandseigenen OOWV-Kläranlagen.

Um die Trocknungsanlage wirtschaftlich betreiben zu können, wird einer Machbarkeitsstudie von Experten der Branche folgend voraussichtlich bis 2022 für rund vier Millionen Euro ein Faulturm gebaut, der wie eine Biogasanlage funktioniert.

Das dort gewonnene dem Erdgas entsprechende schmutzige Methan wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme verwandelt, die zum einen für den Strom der Kläranlage und zum anderen für die Trocknung des Schlamms liefert. Neben den sinkenden Kosten würden allein 600 Tonnen CO2 durch die Gasgewinnung aus dem Klärschlamm und 100 Tonnen jährlich durch gesunkenen Transporte eingespart, erläutert Ralf Bohmann die ökologische Bilanz.

Ob und wie die Investitionen Auswirkungen auf die Höhe der Gebühren haben werden, lasse sich noch nicht vorhersagen, betonte Willen. In der Verwaltung sei eine eigene Stelle geschaffen worden, in der nur die bestehende Abgabenstruktur in allen Bereichen neu berechnet werde.

Vorgeschrieben sei, dass Investitionen wie zum Beispiel in die Abwasser-Entsorgung sich über Gebühren und Beiträge selbst tragen müssten und nicht steuerfinanziert sein dürften.

Den Millionen-Investitionen stünden aber erhebliche Einsparungen durch deutlich reduzierte Energieausgaben und Transportkosten gegenüber. Die Löninger Kläranlage hat eine Größe von 190000 Einwohnergleichwerten. Für die Abwässer der rund 14000 Einwohner wären aber nur 77000 Gleichwerte nötig. Der Rest entfällt auf die Unternehmens-Kapazitäten.

Die Gebühren sind in Löningen seit Jahrzehnten stabil. Mit 1,64 Euro pro Kubikmeter verbrauchten Frischwassers hat die Stadt eine der niedrigsten Gebührensätze in der gesamten Region.


zum oberen Bild:
Vom größten Energieverbraucher zum Produzenten: Mit mehr als fünf Millionen Euro wird die Stadt Löningen bis 2022 ihre Kläranlage weiter modernisieren. Geplant sind der Neubau einer Klärschlamm-Trocknungsanlage und der Bau eines Faulturms als sogenannte Anerobstufe, mit dem Energie produziert wird. Foto: Willi Siemer.

zum zweiten Bild:
Großes Einsparpotenzial: Von 100 Tonnen Klärschlamm reduziert die neue Klärschlammpresse auf nur noch 15 Tonnen. Foto: Willi Siemer.

zum dritten Bild:
Geplanter Standort: Direkt an der Halle, in der dem Klärschlamm der größte Teil des Wassers entzogen wird, ist die neue Trocknung geplant: Dann bleiben von 100 Tonnen nur noch vier Tonnen. Foto: Willi Siemer.

zum vierten Bild:
Foto: Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 11.01.2020.


Quelle:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 11.01.2020.