Presseberichte

Neue Arztpraxis startet mit drei Medizinern

Zukunftweisendes Modell mit Hausärzte-Ausbildung und Teilzeit-Arbeitsmodellen für Frauen geplant

Die neue, barrierefreie Löninger Hausarztpraxis mit drei Medizinern über der Apotheke verfügt auf fast 300 Quadratmetern über fünf Behandlungszimmer.

von Willi Siemer


Nach mehreren Hiobs-Botschaften über schließende Arztpraxen in den letzten Monaten und Jahren in Löningen und nur noch vier Allgemeinmedizinern gibt es jetzt gute Nachrichten für die Bewohner der Stadtgemeinde: Löningen erhält ab Oktober eine neue Allgemeinpraxis, in der zum Auftakt drei Mediziner arbeiten werden.

Das bestätigte der Vermieter des neuen Geschäfts- und Wohnhauses an der Ecke zwischen Elberger und Linderner Straße, Bürgermeister Marcus Willen, im MT-Gespräch. Seine Frau, die Apothekerin Susanne Willen, hatte im Erdgeschoss im vergangenen Jahr die „Hase-Apotheke“ eröffnet.

Neben dem Hausarzt, der seine Allgemeinpraxis an den neuen Standort über der Apotheke verlegt, wird hier eine Allgemeinmedizinerin ihre Vollzeitstelle ab Oktober antreten. Als zukunftweisendes Projekt planen alle Beteiligten, dass als dritter Mediziner Männer oder Frauen hier ihre mehrjährige Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin absolvieren. Der Hausarzt verfügt über diese Ausbildungs-Berechtigung, zudem sind auch die auf die Bedürfnisse einer großen, barrierefreien Praxis zugeschnittenen Räumlichkeiten mit rund 300 Quadratmetern und fünf Behandlungszimmern von der Größe und dem Zuschnitt für die geplanten Neuerungen geeignet.

Geplant sind, weitere Mediziner durch Teilzeit-Arbeitsmodelle anzustellen. Dies richtet sich insbesondere an Frauen, die aus familiären Gründen nicht als „Landärztin klassischer Prägung“ arbeiten möchten.

Wermutstropfen ist allerdings, dass die Apotheke für ein halbes Jahr bis zur Eröffnung der Arztpraxis schließen muss. Es sei trotz aller Bemühungen bisher nicht gelungen, eine weitere Apothekerin oder Apotheker zu gewinnen, um nicht nur den Löninger, sondern auch den bisherigen Menslager Standort gleichzeitig zu betreiben. „Da wir bei unserem Vermieter im Wort stehen, werden wir die Artland-Apotheke wiedereröffnen und die Hase-Apotheke aus personellen Gründen bis zum Oktober schließen“, schreibt Susanne Willen.

Dass es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen sei, das angestrebte Modell nicht auf Anhieb, sondern erst nach halbjähriger Schließung umzusetzen, bedauern beide sehr.

Als „sehr erfreuliche Entwicklung“ wertete der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) in Oldenburg, Helmut Scherbeitz, die nach Angaben der Beteiligten berechtigten Hoffnungen auf einen weiteren Hausarztsitz in Löningen. Er dürfe aus datenschutzrechtlichen Gründen zum gegenwärtigen Zeitpunkt zur Löninger Geschichte konkret keine Stellungnahme abgeben. Er werbe aber seit mindestens zwei Jahren bei allen Hausärzten in der Region dafür, dass sie die Chancen für die Nachwuchsgewinnung in der Region durch das Angebot zur Weiterbildung und der Einstellung vor allem von „Weiterbildungsassistentinnen“ zur Fachärztin oder Facharzt für Allgemeinmedizin nutzten.

Dies sei ein Erfolg versprechender Ansatz und zentraler Baustein, da so die Möglichkeit gegeben sei, einen Ort kennen- und schätzen zu lernen. Das erhöhe die Chancen beträchtlich, eine junge Hausärztin oder einen jungen Hausarzt so auf Dauer vor Ort zu halten. Neben dem Studienort sei diese Phase ein weiterer „entscheidender Klebefaktor“.

Bisher hätten sich allerdings in der Region relativ wenige Allgemeinmediziner in die Liste der Ausbildungsberechtigen eingetragen. Dafür gebe es natürlich Voraussetzungen, wie zum Beispiel eine ausreichend große Praxis mit dem entsprechenden Raumangebot.


zum oberen Bild:
Der Standort der neuen Arztpraxis: Im ersten Stock über der Hase-Apotheke haben die Innenausbauarbeiten für die neue Praxis begonnen. Foto: Willi Siemer.

zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 07.05.2020.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 07.05.2020.