Presseberichte

Kino-Familie wagt vorsichtigen Neustart

„Lilo“ wird voraussichtlich am 25. Juni wieder eröffnet / Programmpreis ist mehr als nur moralische Stütze

Ob Kinos wie die Lichtspiele Löningen die Corona-Pandemie überstehen, hängt am Ende von den Besuchern ab. Auf gute Filme jedenfalls können sie sich freuen.

Viele neue Filme laufen inzwischen auf Streaming-Kanälen.

von Georg Meyer


Eine schwere Zeit liegt hinter den Betreiberinnen der Lichtspiele Löningen, Anna und Daniela Willen. Drei Monate lang mussten sie ihr Kino geschlossen halten. Kommende Woche wagen sie den Neustart.

Die Skepsis ist noch groß. Besonders Mutter Anna ist verunsichert. Werden die Zuschauer zurückkommen? Und wie wird das Sicherheitskonzept angenommen, an dem die beiden Frauen in den vergangenen Wochen getüftelt haben? Um die erforderlichen Abstände einzuhalten, wird jede zweite Sitzreihe gesperrt bleiben. Im Foyer und in den Kinogängen sowie in den Toiletten herrscht Mund-Nasenschutz-Pflicht. Die Besucher müssen Namen und Adresse in einer Liste eintragen. Für die Kassenbereiche wurden Plexiglasscheiben angeschafft. „Ich glaube, dass ich dahinter sicher bin“, sagt Anna Willen, die mit ihren 80 Jahren immer noch allabendlich die Tickets verkauft.

Tochter Daniela wird vor allem darauf achten, dass die Gäste die Hygienevorschriften einhalten. Sie ist aber überzeugt, dass der große Kinosaal, in dem normalerweise bis zu 170 Filmfans einen Platz finden, für Vorführungen auch in Coronazeiten geeignet ist. Einen Pluspunkt hat das „Lilo“: Weil es früher ein Raucherkino war, verfügt es über eine ausgezeichnete Abluftanlage.

Landesweit dürfen die Kinos ab Montag wieder öffnen. Für Anna Willen ist das aber noch nicht der richtige Zeitpunkt. „Die Kinowoche beginnt immer donnerstags“, sagt sie mit fester Stimme. Im vergangegen Jahr feierte das „Lilo“ sein 60-jähriges Jubiläum (MT berichtete). Dass darauf ein derart katastrophales Frühjahr folgen würde, hat die Leinwand-Veteranin sichtlich erschüttert. Schon seit vielen Jahren konkurrieren die traditionellen Lichtspielhäuser mit anderen Unterhaltungsmedien wie Fernsehen, Video und zuletzt dem Internet. Anna Willen kann sich vorstellen, dass die Pandemie die Kinolandschaft jetzt noch schneller verändern wird.

Und das hängt nicht zuletzt mit dem Filmangebot zusammen. So mancher Streifen, den die Löningerinnen in den vergangenen Wochen eigentlich ins Programm nehmen wollten, wird jetzt direkt auf Streaming-Plattformen vermarktet. Viele dürften sich inzwischen mit dem Heimkino eingedeckt haben, glaubt Anna Willen. Sie zurück vor die große Leinwand zu locken, werde keine leichte Aufgabe. Mit drei Filmen, einer deutschen Komödie, einer Doku über das geheime Leben der Bäume und der Neuauflage des Kinderklassikers Lassie, startet das „Lilo“ zum Gegenangriff. Größere Erwartungen setzen die Willen wieder auf den Herbst, wenn die Verleiher ihnen endlich auch die großen Blockbuster, darunter den verschobenen neuen Bond-Film, anbieten können.

Immerhin: Moralische und auch ein wenig finanzielle Unterstützung haben die Betreiberinnen bereits vor der Wiedereröffnung erhalten. Die Agentur „nordmedia“ verlieh ihnen den Kinoprogrammpreis 2020. nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer würdigte das „Lilo“ für ein „herausragendes Programm“ und hob zugleich den kulturellen Stellenwert des Kinos hervor. Die Jury des Kinobüros Niedersachsen-Bremen hatte zuvor entschieden, dass sämtliche Kinos, die sich mit ihrem Programm für das Jahr 2019 bewarben, eine Sonderprämie von bis zu 3000 Euro als Sofortunterstützung bekommen sollen.


zum oberen Bild:
„Herausragend“: Anna und Daniela Willen (von links) erhielten den nordmedia-Kinoprogrammpreis. Foto: Rensen.


zum zweiten Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 19.06.2020.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 19.06.2020.