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„Miteinander reden das Wichtigste“

Frederica Invidia und Dennis Harp berichten vom Alltag als Pflegeschüler der St.-Anna-Klinik

von Willi Siemer


Schon in „normalen Zeiten“ ist die Arbeit als Auszubildender in der Krankenpflege eine sowohl mental als auch körperlich herausfordernde Tätigkeit. Die Corona-Pandemie stellt Menschen in den Krankenhäusern, den stationären und ambulanten Pflegeberufen täglich noch einmal vor zusätzliche Aufgaben und Belastungen.

Über ihre Erfahrungen und ihren Alltag als Pflegeschülerin beziehungsweise -schüler in der Löninger St.-Anna-Klinik auf dem Weg zur Krankenschwester oder zum -pfleger und der Arbeit in der Caritas-Sozialstation als einer Etappe erzählen Frederica Invidia und Dennis Harp.

Die 24-jährige gebürtige Italienerin aus Quakenbrück hat sich nach familiären Erfahrungen entschlossen, diesen Beruf zu ergreifen. Sie absolviert ihre achtsemestrige Ausbildung im jetzigen dritten Semester nach dem Abitur im Rahmen eines dualen Studiengangs mit einem Bachelor in Pflege der Fachhochschule Osnabrück als Abschluss. Die größere berufliche Perspektive und auch die Hoffnung, etwas mehr Geld zu verdienen, habe sie bewogen, die um ein Jahr längere und um den Bereich Management ergänzte duale Ausbildung zu wählen, erzählt sie im MT-Gespräch.

Dennis Harp, der 21-jährige Löninger, der sich im zweiten Ausbildungsjahr befindet, hat sich nach Realschule und Abitur an der BBS, auch inspiriert durch die ehrenamtliche Arbeit beim Roten Kreuz, entschieden, diesen Beruf zu erlernen.

Natürlich bestimmt Corona in besonderer Art und Weise den Berufsalltag, auch wenn zurzeit sowohl Frederica Invidia auf der Urologie des Löninger Krankenhauses als auch Dennis Harp in der ambulanten Pflege nur mittelbar durch die Vorsichtsmaßnahmen zum Minimieren des Ansteckungsrisikos in ihrer täglichen Arbeit betroffen sind.

Beide haben jedoch bereits Erfahrungen mit dem Betreuen auch von Corona-Patienten auf der Isolierstation des Christlichen Krankenhauses in Quakenbrück (CKQ) gesammelt. Die Arbeit mit FFP2-Masken sei anstrengender als mit einfachem Mundschutz und der zusätzlichen Schutzbrille, so der 21-Jährige. Dass die strikten Regeln funktionierten, habe sich gezeigt, als sich keine weitere Person nach einem positiven Corona-Befund einer Krankenschwester angesteckt habe, freut sich Harp.

Zu dem für alle Pflegenden schwierigsten Bereich gehören der Umgang und das Verarbeiten von Sterbefällen. „Auch damit müssen wir umgehen können“, erklärt die 24-Jährige. Für ihn sei die Machtlosigkeit ein Problem, so Harp.

Am meisten Freude und tiefe Befriedigung bedeute es für sie, wenn sie im Kontakt mit den ihr Anvertrauten angelächelt werde. „Kommunikation, miteinander reden, das ist das Wichtigste für mich in meinem Pflegeberuf“, betont die 24-Jährige. Da sei die richtige Vorschrift, auf der Isolierstation den Kontakt so gering wie möglich zu halten, schmerzlich, denn gerade bei den Älteren sei häufig nicht die Krankheit selbst, sondern der Kontakt wichtig.

Vor allem wenn man einen Patienten wochenlang betreue, falle es ihr sehr schwer, die sowohl in diesem Beruf generell als auch in Corona-Zeiten zusätzlich notwendige professionelle Distanz zu wahren und den ihr Anvertrauten trotzdem das Gefühl von Nähe zu geben.

Beide haben ihren Entschluss nicht bereut und sehen sich durch die bisherigen Erfahrungen bestätigt. Löningen sei nach seinen bisherigen Erfahrungen familärer als das größere CKQ, auch die ambulante Pflege sei mit positiven Erfahrungen verbunden. Er erlebe, dass sich Klienten über sein Wohlbefinden Gedanken machten und es komme vor, dass eine Kaffeetasse für ihn aufgestellt worden sei. Schwierigkeiten bereite ihm sein Beruf hauptsächlich, wenn er das Gefühl habe, dem Patienten nicht gerecht zu werden.

Beide Auszubildenden sehen in der Pandemie nicht nur Nachteile, denn durch das Runterfahren der Stationen als Aufnahmereserve gebe es mehr Zeit, beraten und angeleitet zu werden.


zum oberen Bild:
Bericht der Münsterländischen Tageszeitung vom 17.03.2021.

zum zweiten Bild:
Eine der Ausbildungsstationen in Löningen: Pflegeschülerin Frederica Invidia mit Dr. Hermann Suhr, dem Leiter des Urologischen Zentrums der St.-Anna-Klinik, mit einer ihrer Patientinnen. Foto: Invidia.

zum dritten Bild:
Teil des Berufsalltags: Dennis Harp, der zurzeit als Teil seiner Ausbildung in der ambulanten Pflege der Caritas-Sozialstation Pflegebedürftige betreut, bei der notwendigen Dokumentation. Foto: Harp.


Quelle:
Münsterländische Tageszeitung vom 17.03.2021.

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