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Als die Hase aus ihrem Flussbett sprang

Manfred Kramer erinnert sich an Überflutungen im Jahr 1981 – Siedlung abgeschnitten

von Reiner Kramer


Tagelang hatte es geregnet. Irgendwann konnte die Hase die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Dämme gerieten zunehmend unter Druck, bis sie brachen. An vielen Orten im Landkreis Cloppenburg hieß es am 15. und 16. März 1981 – also vor 40 Jahren: „Land unter“. Am härtesten hatten die Wassermassen aber Löningen zugesetzt.

„Da war richtig was los“, erinnert sich Manfred Kramer (63). Der Geschäftsführer der Hase-Wasseracht hatte vor 40 Jahren kräftig Sandsäcke geschleppt und erinnert sich noch gut an die Überflutungen.

Tag und Nacht war ein Krisenstab im Einsatz und koordinierte die Hilfstrupps von Technischem Hilfswerk und der Feuerwehr, auch die Bundeswehr unterstützte. Die Siedlung „Am Röpker Weg“ war zwischenzeitlich abgeschnitten, nachdem ein Pumpwerk dort einstürzte und mehrere Deiche brachen. Das Wasser ergoss sich in die Angelbecker Hasenniederung. „In der Siedlung ,Auf der Höhe’ wurden Schlauchboote eingesetzt, um zu den Häusern zu gelangen“, erinnert sich Kramer. Die Wasserstände waren innerhalb einer Nacht teilweise um sieben bis zehn Zentimeter gestiegen. „Eine Seenlandschaft“, hat Kramer vor Augen. Keller wurden überflutet und Wasser drang in Wohnungen ein. Teilweise habe das dort Höhen von bis zu einem halben Meter erreicht, berichtete unsere Redaktion vor 40 Jahren.

Die Bevölkerung war gebeten worden, sich in der Kirche zu sammeln, um die Hilfe zu koordinieren. Und auch Kramer, dessen Vater ebenfalls bei der Hase-Wasseracht arbeitete, zögerte nicht. Die Situation entspannte sich in Löningen, nachdem die Kreisstraße nach Angelbeck aufgerissen worden war, um die Wassermassen abfließen zu lassen.

Im Bereich Essen waren bereits zuvor fünf Deiche gebrochen, Essen-Brokstreek wurde überflutet – mit günstigen Folgen allerdings für Löningen, floss doch so viel des Regenwassers in Richtung Mittellandkanal ab.

Region betroffen

Wenn auch schwer betroffen, war Löningen nicht die einzige Kommune in der Region, die unter dem „Jahrhunderthochwasser“ zu leiden hatte: Der Verbandsdirektor der Friesoyther Wasseracht, Hans Hoffmann, berichtete seinerzeit im Gespräch mit unserer Redaktion: „In unserem gesamten Gebiet haben wir mit Hochwasser zu tun.“ In den Küstenkanal konnte zeitweise kaum noch Wasser abgeleitet werden. Viele Felder standen unter Wasser. Immerhin hatte die Thülsfelder Talsperre noch eine Kapazität von 1,5 Millionen Kubikmetern. In Wardenburg war der Huntedeich gebrochen und sorgte für Überschwemmungen.

Die Bilanz

In Löningen zog der damalige Bürgermeister Kurt Schmücker nach dem verheerenden Wochenende Bilanz: Rund 5000 Hektar des Löninger Gemeindegebiets wurden überflutet – rund ein Drittel der Fläche Löningens. Rund 50 Millionen Kubikmeter Wasser sorgten für eine „außerordentliche Flutkatastrophe“ in Löningen, für Essen wurde noch einmal die gleiche Menge an Flutwasser angenommen. Das Wasser floss mit rund 110 Kubikmetern pro Sekunde durch die Hase und sorgte für hohe Schäden.

In den Folgejahren sollte es weitere Hochwasser geben, wie etwa zum Jahreswechsel 1986/1987. Aber man war mittlerweile gewappnet.


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Was dazu noch wichtig ist
Deiche stehen sicher

Nach 1981 ist der Hochwasserschutz an der Hase sukzessive verbessert worden. Nach Auskunft des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutzes (NLWKN) sind Deichbaumaßnahmen im Bereich Angelbeck und Haseknie durchgeführt worden. Als eine der ersten Maßnahmen wurden drei mächtige Durchlässe unter der Angelbecker Straße errichtet, durch die das Wasser dann ungehindert nach unterhalb abfließen kann, so die Hase-Wasseracht. 8,5 Millionen Euro wurden investiert. „Die Standsicherheit der Deiche steht heute nicht in Frage“, betont auch NLWKN-Pressesprecher Carsten Lippe. Die Stadt Löningen wurde durch die Deichschutzmaßnahmen vor einem statistisch alle 100 Jahre auftretenden Hochwasser geschützt, sagt Wasseracht-Geschäftsführer Kramer.

Ein Baustein sind Hochwasserpartnerschaften, die es seit 2016 gibt. Als Zusammenschluss von Kommunen, Verbänden und weiteren Akteuren in einem Gewässereinzugsgebiet widmen sie sich gemeinsam dem Thema „Hochwasserschutz“.


zum oberen Bild:
Bericht der Nordwest-Zeitung vom 20.03.2021.

zum zweiten Bild:
Über Tage bestimmte das Hochwassergeschehen die Berichterstattung in der Ð. Der damalige Leiter des Wasserwirtschaftsamts Cloppenburg, Rudolf Lehde, nahm die Wassermassen in Augenschein. Foto: Ulf Middendorf.

zum dritten Bild:
Große Schäden verursachte das Hochwasser vor 40 Jahren in Löningen. Foto: Hase Wasseracht.

zum vierten Bild:
Teilweise waren Häuser nur in Schlauchbooten zu erreichen. Siedlungen waren abgeschnitten. Foto: Hase Wasseracht.


Quelle:
Nordwest-Zeitung vom 20.03.2021.

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Stadt Löningen
Lindenallee 1
49624 Löningen
Telefon: 0 54 32 / 94 10-0
Telefax: 0 54 32 / 94 10-36
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